• Erinnerung an die ermordeten Juden von Mohyliw-Podilskyj
In Mohyliw-Podilskyj (russisch: Mogiljow-Podolskij), erinnern zwei Denkmäler und zwei Gedenktafeln an die Opfer des größten Durchgangsghettos im rumänisch besetzten Gebiet Transnistrien. Ein weiteres Denkmal erinnert an die »Gerechten unter den Völkern« – Einheimische, die Juden retteten.
Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Alte Ortsansicht, gemeinfrei
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Alte Ortsansicht, gemeinfrei

Bild:Mohyliw-Podilskyj, 2014, Denkmal für die Opfer des Ghettos, Edgar Hauster
Mohyliw-Podilskyj, 2014, Denkmal für die Opfer des Ghettos, Edgar Hauster
Mohyliw-Podilskyj, am Dnjestr gegenüber der moldawischen Stadt Otaci gelegen, wurde 1595 vom Fürst Jeremia Movilă gegründet. Die ersten Juden siedelten Anfang des 17. Jahrhunderts in der Stadt. Die jüdische Gemeinde wurde wenig später, während des Chmelnizkij-Aufstands 1648, ausgelöscht. Eine neue Gemeinde entstand in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. In den 1770er Jahren baute sie zwei Synagogen. Die Stadt gehörte zum Russischen Zarenreich. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu antijüdischen Ausschreitungen. In der sowjetischen Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg lebten über 9.600 Juden dort, was mehr als 40 Prozent der Bevölkerung entsprach.
Die deutsche Wehrmacht und die rumänische Armee besetzten Mohyliw-Podilskyj am 19. Juli 1941. Viele Juden konnten zuvor fliehen, doch etwa 5.000 Juden blieben in der Stadt. Wenige Tage später traf das Sonderkommando 10b ein und ermordete über 1.000 Juden in der Region.
Im September 1941 kam Mohiliw-Podilskyj zum rumänisch besetzten ukrainischen Gebiet Transnistrien. Wenig später gründeten die rumänischen Besatzer ein Durchgangsghetto für Juden aus Bessarabien und der Bukowina, die aus ihrer Heimat vertrieben und über den Dnjestr nach Transnistrien abgeschoben wurden. Es war das größte von fünf solchen Durchgangsghettos an der Grenze Transnistriens entlang des Flusses.
Die Einwohner des Ghettos lebten auf engstem Raum in baufälligen Baracken zusammen, ständig den Schikanen rumänischer Gendarmen ausgesetzt. Dennoch waren die Bedingungen besser als im von den Deutschen kontrollierten Gebiet östlich des Bugs. Im Mai 1942 sollte das Ghetto wegen einer Epidemie verkleinert werden. Die Rumänen deportierten etwa 7.500 Juden in andere Lager. Die Deportationen wurden nach dem sowjetischen Sieg in der Schlacht von Stalingrad eingestellt. Im Januar 1943 befanden sich noch etwa 3.000 einheimische und etwa 12.000 aus anderen Gebieten vertriebene Juden im Ghetto.
Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Alte Ortsansicht, gemeinfrei
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Alte Ortsansicht, gemeinfrei

Bild:Mohyliw-Podilskyj, 2014, Denkmal für die Opfer des Ghettos, Edgar Hauster
Mohyliw-Podilskyj, 2014, Denkmal für die Opfer des Ghettos, Edgar Hauster
Von August bis September 1941 ermordete das Sonderkommando 10b über 1.000 Juden in der Stadt und in ihrer Umgebung. Die meisten Opfer waren Vertriebene aus den rumänisch besetzten Gebieten gegenüber des Dnjestr. Im Dezember 1941 zählte das Ghetto etwa 3.700 einheimische jüdische Einwohner und etwa 15.000 Juden aus den Gebieten Bessarabien und der Bukowina. Insgesamt durchliefen zwischen dem 15. September 1941 und dem 15. Februar 1942 etwa 55.000 Juden das Ghetto. Ab Ende des Jahres 1941 bis Juni 1942 starben über 1.200 Juden im Ghetto an einer Typhusepidemie. Ab Mai 1942 bis Mai 1943 deportierten die rumänischen Besatzer etwa 7.500 Juden in andere Lager, unter anderem in das Lager Pechora, wo innerhalb eines Jahres alle Juden verhungerten oder ermordet wurden. Die Opfer waren vor allem einheimische Juden, die zu den Ärmsten gehörten und nicht den Vorteil hatten, mit den rumänischen Besatzern kommunizieren zu können. Im Durchgangsghetto Mohiliw-Podilskyj hielten sich ständig etwa 15.000 Juden auf. 2.000–3.000 von ihnen hatten dank eines Arbeitsplatzes eine Aufenthaltsgenehmigung, die große Mehrheit musste ständig ihre Abschiebung befürchten.
Die außerordentliche sowjetische Untersuchungskommission gab später die Zahl der Opfer des Durchgangslagers Mohiliw-Podilskyj mit 4.394 an.
Bild:Bei Mohyliw-Podilskyj, 10. Juni 1942, Juden vor ihrer Deportation über den Dnjestr, Yad Vashem
Bei Mohyliw-Podilskyj, 10. Juni 1942, Juden vor ihrer Deportation über den Dnjestr, Yad Vashem

Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Gedenktafel in Erinnerung an die Opfer des Ghettos, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Gedenktafel in Erinnerung an die Opfer des Ghettos, Jewgennij Schnajder
Nach der Niederlage der Achsenmächte in der Schlacht von Stalingrad änderte sich die rumänische Politik gegenüber Juden. Die Regierung ließ zu, dass jüdische Hilfsorganisationen aus Rumänien den Juden in Transnistrien zu Hilfe kommen. Einige Juden durften sogar in ihre Heimat zurückkehren. Die Rote Armee befreite das Durchgangsghetto von Mohyliw-Podilskyj am 19. März 1944.
In den 1950er Jahren lebten fast 5.000 Juden in Mohyliw- Podilskyj, was etwa einem Viertel der Bevölkerung entsprach. In den 1970er Jahren wurde eine Synagoge in einem Wohnhaus eingerichtet. Die jüdische Gemeinde stellte sich mit der Unabhängigkeit der Ukraine neu auf, zahlenmäßig schrumpfte sie jedoch: 1989 zählte die Stadt noch 2.830 Juden. Die meisten wanderten in den 1990er Jahren in die USA oder nach Israel aus. 2001 lebten nur noch 300 Juden in der Stadt.
1991 wurde auf Initiative der Organisation »Verein ehemaliger minderjähriger Gefangene des Faschismus« eine Gedenktafel am ehemaligen Haupteingang zum Ghetto angebracht. Ein Denkmal, in Erinnerung an die Opfer des Durchgangsghettos, wurde ein Jahr später in der Stawiskoj-Straße errichtet, ebenfalls auf dem ehemaligen Gebiet des Ghettos. Ein weiteres Denkmal wurde 1995 auf dem jüdischen Friedhof im Osten der Stadt eingeweiht, wo über 1.000 Opfer des Ghettos begraben liegen. Am Busbahnhof hängt eine Gedenktafel, die an die Juden aus Bessarabien und der Bukowina erinnert, die an dieser Stelle gesammelt wurden, um weiter in Richtung Osten deportiert zu werden. 2002 wurde neben dem bestehenden Denkmal in der Stawiskoj-Straße in Erinnerung an Einheimische, die Juden retteten, ein Denkmal für die »Gerechten unter den Völkern« errichtet.
Um den Erhalt der Denkmäler kümmert sich, als Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde und seit 1990 Leiter der Organisation »Verein ehemaliger minderjähriger Gefangene des Faschismus«, der Überlebende Abram Kaplan. Zusammen mit der Organisation und der Gemeinde hat er 12 Denkmäler in der Stadt und in den angrenzenden Dörfern errichtet.
Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Gedenktafel in Erinnerung an die Juden die von diesem Platz aus deportiert wurden, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Gedenktafel in Erinnerung an die Juden die von diesem Platz aus deportiert wurden, Jewgennij Schnajder

Bild:Mohyliw-Podilskyj, Gedenktafel auf dem Denkmal für die »Gerechten unter den Völkern«, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, Gedenktafel auf dem Denkmal für die »Gerechten unter den Völkern«, Jewgennij Schnajder
Bild:Mohyliw-Podilskyj, 2010, Jüdischer Friedhof, Edgar Hauster
Mohyliw-Podilskyj, 2010, Jüdischer Friedhof, Edgar Hauster
Bild:Mohyliw-Podilskyj, 2010, Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof, Edgar Hauster
Mohyliw-Podilskyj, 2010, Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof, Edgar Hauster
Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Synagoge, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Synagoge, Jewgennij Schnajder
Bild:Mohyliw-Podilskyj, Frühere Synagoge, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, Frühere Synagoge, Jewgennij Schnajder
Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Denkmal für die »Gerechten unter den Völkern«, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Denkmal für die »Gerechten unter den Völkern«, Jewgennij Schnajder
Bild:Mohyliw-Podilskyj, o.D., Museum für die Opfer des Nationalsozialismus, Jewgennij Schnajder
Mohyliw-Podilskyj, o.D., Museum für die Opfer des Nationalsozialismus, Jewgennij Schnajder
Name
Pamjatnyk jewrejam zahyblym u Mohylewi-Podilskomu
Adresse
Wulizja Stawiska 34
24001 Mohyliw-Podilskyj
Web
http://myshtetl.org/vinnitskaja/mogilev.html
Öffnungszeiten
Die Denkmäler sind jederzeit zugänglich.