• Erinnerung an die ermordeten Juden des Bobruisker Ghettos
Seit 1960 erinnert ein von der jüdischen Gemeinde Bobruisk (weißrussisch Babrujsk) errichtetes Denkmal an die etwa 14.000 Juden, die 1941 und 1942 von deutschen Einsatzgruppen erschossen wurden. Seitdem sind weitere Denkmäler dazugekommen.
Bild:Bobruisk, vor 1914, Die um 1900 errichtete Große Synagoge. Stark umgebaut steht sie noch heute, gemeinfrei
Bobruisk, vor 1914, Die um 1900 errichtete Große Synagoge. Stark umgebaut steht sie noch heute, gemeinfrei

Bild:Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
In Bobruisk lebten im Jahr 1939 etwa 26.000 Juden, rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Mit über 30 Synagogen galt die Stadt als bedeutendes Zentrum jüdischer Kultur. Nur wenige Juden waren vor der herannahenden deutschen Armee geflohen.
Am 29. Juni 1941 nahm die deutsche Wehrmacht die Stadt ein. Im August 1941 wurde ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung eingerichtet. Mitte desselben Monats verhafteten Angehörige des SD (Sicherheitsdienst der SS) und des Polizeibataillons 307 etwa 50 jüdische Männer. Sie wurden auf Lastwagen verladen und abtransportiert. Wahrscheinlich wurden sie anschließend von den SD-Leuten erschossen. Die SS-Kavallerie-Brigade ermordete im September 1941 7.000 Juden in der Nähe eines Rollfeldes bei Bobruisk. Ebenfalls im September und Oktober 1941 war ein Teiltrupp des SS-Einsatzkommandos (EK) 8 unter Befehl von Carl Ruhrberg in Bobruisk stationiert. In verschiedenen Aktionen erschossen die Männer des EK 8 insgesamt 2.000 Juden aus Bobruisk und Umgebung. Vom 5. bis 7. November 1941 erschossen wahrscheinlich das Polizeibataillon 316 und das EK 8 etwa 5.800 Juden. In ihrem Bericht für Dezember 1941 erklärte die Einsatzgruppe B Bobruisk für »judenfrei«. Dennoch setzte das EK 8 das Morden in den Jahren 1942/43 fort: Immer wieder wurden Juden aus Arbeitslagern oder kleineren Ghettos aus der Umgebung von Bobruisk gesammelt und erschossen.
Bild:Bobruisk, vor 1914, Die um 1900 errichtete Große Synagoge. Stark umgebaut steht sie noch heute, gemeinfrei
Bobruisk, vor 1914, Die um 1900 errichtete Große Synagoge. Stark umgebaut steht sie noch heute, gemeinfrei

Bild:Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
Die genaue Zahl der in Bobruisk und Umgebung Ermordeten ist unbekannt. Beim Dorf Kamenka erschossen Angehörige des Einsatzkommandos 8 im Juli 1941 etwa 250 und wahrscheinlich im November 1941 etwa 5.800 Juden. Die Gesamtzahl der ermordeten Juden aus Bobruisk liegt mindestens bei 14.000.
Bild:Bobruisk, vermutlich Juli 1941, Zerstörte Wohnhäuser, Belorusskij gosudarstwennyj muzej istorii Welikoj Otetschestwennoj wojny, Minsk
Bobruisk, vermutlich Juli 1941, Zerstörte Wohnhäuser, Belorusskij gosudarstwennyj muzej istorii Welikoj Otetschestwennoj wojny, Minsk

Bild:Bobruisk, 2011, Denkmal für die Opfer des Ghettos, Vadim Akopyan
Bobruisk, 2011, Denkmal für die Opfer des Ghettos, Vadim Akopyan
Die Rote Armee befreite Bobruisk am 29. Juni 1944. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele Juden in die Stadt zurück.
Bereits 1960 setzte sich Meir Zeliger für den Bau eines Denkmals an der ehemaligen Erschießungsstätte in der Nähe des Dorfes Kamenka ein. Er selbst hatte vor dem Einmarsch der Wehrmacht aus Bobruisk fliehen können und überlebte den Holocaust. Mit finanzieller Unterstützung der verblieben jüdischen Gemeinde von Bobruisk wurde das Denkmal in Kamenka errichtet. Dass es sich bei den Opfern um Juden handelte, wurde in der Inschrift nicht erwähnt. Nach Zeligers Tod 1978 kümmerte sich Maria Minz, selbst Überlebende des Bobruisker Ghettos, um die Massengräber und die Denkmäler. Sie setzte sich für den Bau eines weiteren Denkmals in Kamenka ein, das 1988 eingeweiht wurde.
Einige Juden hatten sich während des Zweiten Weltkrieges durch die Hilfe von nichtjüdischen Einwohnern der Stadt retten können. Ihnen zu Ehren wurde 2005 eine »Allee der Gerechten unter den Völkern« im Stadtzentrum eingeweiht.
Am 19. Oktober 2008 wurde ein weiteres Denkmal eingeweiht. Es liegt unweit des früheren Ghettos im Südwesten der Stadt und symbolisiert den Baum des Lebens und des Leidens, mit eingravierten Häusern, durch die ein Spalt verläuft. Auf der rechten Seite steht auf Belarussisch: »1941. Den Gefangenen des bobruisker Ghettos. Sie liebten das Leben«, und auf der linken Seite: »Mögen ihre Seelen ewig leben, in dem ewigen Knoten des Lebens eingewebt«.
Der jüdische Friedhof befindet sich im Norden der Stadt. Dort liegen die Überreste der Opfer mehrerer Massenerschießungen aus der Umgebung begraben. Ihre Nachfahren betteten sie in den 1970er Jahren aus Massengräbern um und ließen Denkmäler errichten.
Obwohl in den 1990er Jahren viele Juden aus Bobruisk auswanderten, leben etwa 700 Juden in der Stadt. Die jüdische Gemeinde unterhält zwei Synagogen.
Bild:Bobruisk, 2013, Denkmal für »Gerechte unter den Völkern«, avner
Bobruisk, 2013, Denkmal für »Gerechte unter den Völkern«, avner

Bild:Bobruisk, 2013, Das Denkmal beim Ort der Massenerschießungen in Kamenka, avner
Bobruisk, 2013, Das Denkmal beim Ort der Massenerschießungen in Kamenka, avner
Name
Pamjat ubityh ewrejew bobruijskogo getta
Adresse
vulica Bacharava; Sacyjalistyčnaja vulica; vioska Slabodka
Babrujsk
Öffnungszeiten
Die Denkmäler sind jederzeit zugänglich.