• Erinnerung an die ermordeten Juden von Glubokoje
In der weißrussischen Stadt Glubokoje erinnern mehrere Denkmäler an die Juden des Ghettos, die dort zwischen 1941 und 1943 von deutschen Einheiten und ihren Helfern ermordet wurden. Eine der Massenerschießungsstätten befindet sich im Wäldchen Borok, wo sich auch eine Gedenkanlage in Erinnerung an sowjetische und italienische Kriegsgefangene befindet, die in nahegelegenen deutschen Lagern umkamen.
Bild:Glubokoje, o.D., Alte Stadtansicht, gemeinfrei
Glubokoje, o.D., Alte Stadtansicht, gemeinfrei

Bild:Glubokoje, o.D., Denkmal von 2001 im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Glubokoje, o.D., Denkmal von 2001 im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Die Kleinstadt Glubokoje (weißrussisch: Hlybokaje, polnisch: Głębokie), im nördlichen Teil Weißrusslands gelegen, gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zum Russischen Zarenreich und zwischen den beiden Weltkriegen zu Polen. Gemäß dem Hitler-Stalin-Pakt wurde Glubokoje im September 1939 sowjetisch besetzt. Juden lebten seit dem 18. Jahrhundert in der Stadt und stellten beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die Mehrheit der etwa 9.000 Einwohner.
Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion besetzte die Wehrmacht Glubokoje am 2. Juli 1941. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich etwa 5.000 Juden in der Stadt auf, darunter viele Flüchtlinge.
Am 22. Oktober 1941 richteten die Deutschen ein Ghetto in Glubokoje ein, in dem alle Juden aus Glubokoje und Umgebung auf engstem Raum zusammengepfercht leben mussten. Nur zu Arbeitseinsätzen durften Juden das abgeriegelte Gebiet verlassen. Immer wieder wurden Juden gruppenweise ermordet.
Am 27. Mai 1942 führte das Einsatzkommando 9 der Einsatzgruppe B unter dem Kommando des SS-Untersturmführers Heinz Tangermann die erste von zwei »Großaktionen« gegen Juden durch. Das Kommando erschoss etwa 2.500 Juden, die sie als nicht arbeitsfähig ansahen, in einem etwa ein Kilometer vom Ghetto entfernten Waldstück Borok. Die verbliebenen Juden blieben im Ghetto, das durch die Verlegung von jüdischen Zwangsarbeitern aus anderen Ghettos zunächst weiter anwuchs. Zeitgleich entstand im Ghetto eine Widerstandsbewegung, der es am 17. August 1943 gelang, zusammen mit sowjetischen Partisanen 70 Deutsche zu töten. Daraufhin beschlossen die Besatzungsbehörden, das Ghetto zu liquidieren und die Juden zu ermorden. Während die Häuser im Ghetto angezündet und die Bewohner erschossen wurden, konnten sich etwa einhundert Juden zunächst in den Wald retten. Viele von ihnen wurden später erneut gefangengenommen und anschließend ermordet.
Bild:Glubokoje, o.D., Alte Stadtansicht, gemeinfrei
Glubokoje, o.D., Alte Stadtansicht, gemeinfrei

Bild:Glubokoje, o.D., Denkmal von 2001 im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Glubokoje, o.D., Denkmal von 2001 im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Bereits kurz nach Einnahme von Glubokoje ermordeten deutsche EInheiten immer wieder Juden.
Am 25. März 1942 erschoss die deutsche Gendarmerie unterstützt durch lokale Hilfspolizisten etwa 110 Bewohner des Ghettos.
Am 27. Mai 1942 ermordete das Einsatzkommando 9 der Einsatzgruppe B etwa 2.500 Juden im Waldstück Borok. Bei der Liquidierung des Ghettos am 17. August 1943 ermordeten deutsche Einheiten, unterstützt durch lokale Helfer, fast alle der etwa 3.000 noch lebenden Bewohner des Ghettos. Danach lebten keine Juden mehr in Glukokoje.
Insgesamt durchliefen etwa 7.000 Juden das Ghetto in Glubokoje. Nur wenige von ihnen überlebten, indem sie flohen und sich jüdischen oder sowjetischen Partisanen anschlossen.

Zwischen 1941 und 1944 befand sich das Kriegsgefangenenlager Stalag 351, ab 1942 Stalag 342/Z Glebokie in Glubokoje. 1941 wurden Zehntausende sowjetische Kriegsgefangene unter erbärmlichen Bedingungen unter freiem Himmel gefangen gehalten. Die Sterblichkeit war extrem hoch. Nach der Kapitulation Italiens 1943 wurden italienische Soldaten, sogenannte Militärinternierte, hierher verschleppt. Mindestens 27.000 Soldaten kamen in diesen Lagern um, darunter etwa 200 Italiener.
Bild:Glubokoje, 1941-1943, Jüdische Kinder stellen im Ghetto Kartons her, www.jewishgen.org/yizkor/Hlybokaye/Hlybokaye.html
Glubokoje, 1941-1943, Jüdische Kinder stellen im Ghetto Kartons her, www.jewishgen.org/yizkor/Hlybokaye/Hlybokaye.html

Bild:Bei Glubokoje, Herbst 1941, Sowjetische Kriegsgefangene des Stalag 351, Hamburger Institut für Sozialforschung
Bei Glubokoje, Herbst 1941, Sowjetische Kriegsgefangene des Stalag 351, Hamburger Institut für Sozialforschung
Die Rote Armee befreite Glubokoje am 3. Juli 1944. Nur wenige überlebende Juden kehrten danach in die Stadt zurück.
Das erste Denkmal wurde nach dem Krieg an einer der Massenerschießungsstätten in der heutigen Tschkalowa-Straße aufgestellt. Die russische Inschrift auf dem Obelisk erinnert an »4.500 friedliche Bürger jüdischer Nationalität«, die an dieser Stelle begraben liegen sollen.
Im weiter nördlich gelegenen Wäldchen Borok sind nach dem Krieg mehrere Denkmäler und Gedenksteine errichtet worden. Borok befindet sich westlich der Seen Welikoje und Podluschnoje und wird von der Krasnoarmejskaja-Straße durchquert. Zur Linken der Straße befinden sich drei Denkmäler, die an etwa 2.500 Juden aus dem Ghetto erinnern, die an dieser Stelle im Mai 1942 ermordet wurden. Weiter nördlich, neben dem See Podluschnoje, befinden sich eine weitere Massenerschießungsstätte und weitere Denkmäler, die an die etwa 27.000 sowjetische und italienische Kriegsgefangene erinnern, die in der Gegend umkamen. Das Kriegsgefangenenlager selbst befand sich 500 Meter weiter östlich auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters, das heute als Gefängnis genutzt wird.
Auf dem nicht mehr benutzten jüdischen Friedhof neben dem Sees Welikoje stehen heute zwei Denkmäler und eine Informationstafel am Eingangstor. Letztere hat die englische und russische Aufschrift: »Alter jüdischer Friedhof. Von Faschisten 1941–1945 zerstört«. Auf dem Friedhof sind nur noch wenige Grabsteine zu sehen.
Heute kümmern sich Angehörige der Opfer gemeinsam mit der Ortsverwaltung um den Erhalt der Denkmäler. Jedes Jahr im August findet eine Gedenkfeier statt, zu der regelmäßig auch Überlebende und ihre Verwandten und Nachkommen aus dem Ausland anreisen.
Bild:Glubokoje, o.D., Denkmal aus dem Jahr 2001 im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Glubokoje, o.D., Denkmal aus dem Jahr 2001 im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik

Bild:Glubokoje, 2013, Gedenkanlage für die Opfer der Kriegsgefangenenlager, avner
Glubokoje, 2013, Gedenkanlage für die Opfer der Kriegsgefangenenlager, avner
Bild:Glubokoje, o.D., 2001 eingeweihtes Denkmal im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Glubokoje, o.D., 2001 eingeweihtes Denkmal im Wäldchen Borok, Aleksandr Iofik
Bild:Glubokoje, o.D., Gedenkstein von 1964 in Borok in Erinnerung an die Opfer der Massenerschießung vom Mai 1942, Aleksandr Iofik
Glubokoje, o.D., Gedenkstein von 1964 in Borok in Erinnerung an die Opfer der Massenerschießung vom Mai 1942, Aleksandr Iofik
Bild:Glubokoje, 2013, Denkmal von 1964 in Borok, avner
Glubokoje, 2013, Denkmal von 1964 in Borok, avner
Bild:Glubokoje, 2013, Borok mit Massengräbern zu beiden Seiten, avner
Glubokoje, 2013, Borok mit Massengräbern zu beiden Seiten, avner
Bild:Glubokoje, 2013, Massengrab von ermordeten Juden in Borok, avner
Glubokoje, 2013, Massengrab von ermordeten Juden in Borok, avner
Bild:Glubokoje, 2010, Denkmal an der Tschkalowa-Straße, Aleksandr Iofik
Glubokoje, 2010, Denkmal an der Tschkalowa-Straße, Aleksandr Iofik
Bild:Glubokoje, 1941-1943, Jüdische Frauen bügeln deutsche Uniformen im Ghetto, www.jewishgen.org/yizkor/Hlybokaye/Hlybokaye.html
Glubokoje, 1941-1943, Jüdische Frauen bügeln deutsche Uniformen im Ghetto, www.jewishgen.org/yizkor/Hlybokaye/Hlybokaye.html
Bild:Glubokoje, 2015, Eingang zum alten jüdischen Friedhof, Aljaksandr Dsechzjaronak
Glubokoje, 2015, Eingang zum alten jüdischen Friedhof, Aljaksandr Dsechzjaronak
Name
Pamjat ubytich ewrejew Glubokogo
Adresse
Ulitsa Krasnoarmejskaja
211800 Hlybokaye
Web
http://www.eilatgordinlevitan.com/glubokoye/glubokoye.html
E-Mail
kotz@k-techav.com
Öffnungszeiten
Die Denkmäler sind jederzeit zugänglich.