Erinnerungsorte für die Opfer von »Vergeltungsmaßnahmen« 1943/44



Einführung


1943 und 1944 führten die deutschen Besatzer auf Kreta zahlreiche gegen die Zivilbevölkerung gerichtete »Vergeltungsmaßnahmen« durch.
An die Opfer erinnert eine Gedenkstätte in dem Bergdorf Amiras. In vielen Dörfern Kretas finden sich weitere Denkmäler.

Bild:Anos Viannos, 1943, Ansicht des Dorfes vor der Zerstörung, Bundesarchiv, Bild 101I-521-2147-36A, Karl Ottahal

Anos Viannos, 1943, Ansicht des Dorfes vor der Zerstörung, Bundesarchiv, Bild 101I-521-2147-36A, Karl Ottahal



Geschichte


Nach dem Abzug italienischer Truppen im September 1943 häuften sich Anschläge und Sabotageakte von kretischen Partisanen gegen die deutschen Besatzer auf Kreta. Wie auch zu Beginn der Besatzung 1941 reagierte die Wehrmacht mit äußerster Härte auf den Widerstand: Bei »Sühnemaßnahmen« wurden ganze Dörfer zerstört und viele Zivilisten getötet.
Am 12. September 1943 kamen in der Nähe von Ano Viannos im Südosten Kretas zwölf deutsche Soldaten bei Kämpfen mit Partisanen ums Leben. Der Kommandeur der auf Kreta stationierten 22. Infanteriedivision, General Friedrich W. Müller, befahl seinen Soldaten noch am selben Tag, Bewohner von Dörfern um Ano Viannos unverzüglich zu erschießen. In seinem Befehl forderte er seine Truppen auf, mit Härte und ohne Rücksichtnahme gegen die Zivilbevölkerung vorzugehen. In den folgenden Tagen zerstörten Soldaten mehrere Ortschaften in der Gegend. Die männlichen Dorfbewohner wurden zusammengetrieben und in Gruppen erschossen, die Häuser wurden niedergebrannt. Mehrere Frauen wurden von den Soldaten lebend in die brennenden Häuser gestoßen. In den Berichten der Wehrmacht zum »Unternehmen Viannos« ist von 440 getöteten Griechen die Rede.
Auch im Südwesten Kretas führten Einheiten der Wehrmacht in den folgenden Wochen ähnlich brutale Aktionen durch.
Bild:Amiras, o.D., Die Gedenkstätte für die ermordeten Bewohner der umliegenden Bergdörfer und aus Myrtos, www.kreta-wiki.de, Wolfgang Kistler

Amiras, o.D., Die Gedenkstätte für die ermordeten Bewohner der umliegenden Bergdörfer und aus Myrtos, www.kreta-wiki.de, Wolfgang Kistler



Opfer


Bei den »Vergeltungsmaßnahmen« in den Dörfern um Ano Viannos kamen über 440 Männer, Frauen und Kinder, ums Leben. Etwa 350 von ihnen stammten direkt aus Ano Viannos.
Die genaue Zahl der in den Jahren 1941 bis 1944 auf Kreta ermordeten Zivilisten ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass italienische und deutsche Besatzer etwa 2.000 bis 3.500 Kreter töteten. Hunderte Dörfer wurden vollständig oder teilweise zerstört.
Bild:Amiras, o.D., Die auf den Figuren angebrachten Tafeln mit den Namen der Ermordeten, www.kreta-wiki.de, Anette Windgasse

Amiras, o.D., Die auf den Figuren angebrachten Tafeln mit den Namen der Ermordeten, www.kreta-wiki.de, Anette Windgasse



Erinnerung


In beinahe jedem Ort auf Kreta, in dem bei »Vergeltungsmaßnahmen« Zivilisten ermordet wurden, steht heute ein Denkmal mit den Namen der Opfer. Im Südosten Kretas befindet sich das »Geisterdorf« Epano Simi, in das nach seiner Zerstörung keine Einwohner mehr zurückkehrten. Die Ruinen des einstigen Dorfes sollen mahnend an die Ereignisse vom September 1943 erinnern.
Das Denkmal im wenige Kilometer entfernten Amiras befindet sich am Ortsrand auf einem Hügel. Auf neun Steinfiguren sind die Namen der in der Region um Ano Viannos ermordeten Kreter eingraviert.
Bild:Amiras, o.D., Die Gedenkstätte für die ermordeten Bewohner der umliegenden Bergdörfer und aus Myrtos, www.kreta-wiki.de, Anette Windgasse

Amiras, o.D., Die Gedenkstätte für die ermordeten Bewohner der umliegenden Bergdörfer und aus Myrtos, www.kreta-wiki.de, Anette Windgasse



Service


Name
Erinnerungsorte für die Opfer von »Vergeltungsmaßnahmen« 1943/44



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