• »Wolfsschanze« – ehemaliges Führerhauptquartier
Auf dem Gelände des ehemaligen Führerhauptquartiers »Wolfsschanze« bei Rastenburg (polnisch: Kętrzyn) in Masuren gibt es zwei Gedenk- und eine Informationstafel, die an das gescheiterte Attentat des Oberst Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 erinnern und den »Widerstand gegen den Nationalsozialismus« würdigen.
Bild:Rastenburg, 1944, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Karl-Jesko von Puttkamer, Adolf Hitler, Wilhelm Keitel am 15. Juli 1944, Bundesarchiv, Bild 146-1984-079-02
Rastenburg, 1944, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Karl-Jesko von Puttkamer, Adolf Hitler, Wilhelm Keitel am 15. Juli 1944, Bundesarchiv, Bild 146-1984-079-02

Bild:Rastenburg, 2010, Reste des Mannschaftsbunkers im Sperrkreis III, Stiftung Denkmal
Rastenburg, 2010, Reste des Mannschaftsbunkers im Sperrkreis III, Stiftung Denkmal
Für den deutschen Angriff auf die Sowjetunion ließ Adolf Hitler ab Herbst 1940 in einem Waldgebiet nahe der ostpreußischen Kleinstadt Rastenburg Bunker und Baracken für 2.000 Personen errichten. Diese Anlage erhielt den Namen »Wolfsschanze«. Das Führerhauptquartier war nach Hitlers Einzug am 24. Juni bis zum 20. November 1944 mit einigen Unterbrechungen Machtzentrale des Dritten Reiches und oberste militärische Befehlsstelle – vor allem für den Vernichtungskrieg im Osten. In der Umgebung gab es weitere verbunkerte Hauptquartiere etwa für das Oberkommando des Heeres und den Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Spätestens die Niederlage bei Stalingrad Anfang 1943 stellte den Wendepunkt für die Wehrmacht dar: Seitdem mussten sich die deutschen Truppen vor der Roten Armee zurückziehen. Auch innerhalb des Adels und des Militärs formte sich nunmehr Widerstand, der das nationalsozialistische Regime beseitigen wollte. Zum Kopf dieses Umsturzversuches wurde der 37-jährige Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der – gemeinsam mit anderen Hitlergegnern – einen Operationsplan »Walküre« für den Staatsstreich ausarbeitete. Hauptziel war die Ermordung Hitlers. Als Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres hatte Stauffenberg Zugang zum innersten Zirkel der Macht und führte am 20. Juli 1944 mit einem Sprengsatz ein Attentat in der »Wolfsschanze« durch. Nach dem Anschlag und ohne von dessen Scheitern zu wissen leitete er den Staatsstreich, der bereits in der folgenden Nacht niedergeschlagen wurde. Eine Gruppe regimetreuer Offiziere verhaftete die Verschwörer in Berlin und ließ Stauffenberg sowie drei weitere Mitkämpfer erschießen.
1945 kam das südliche Ostpreußen und somit die teilgesprengten Bunker der »Wolfsschanze« zu Polen. Bis 1955 entschärften Soldaten 55.000 Minen und 200.000 Stück anderer Munition. Wenige Jahre später gab der Kreisrat das Gelände für den Tourismus frei, der – mit Campingplatz, Kiosken und Hotel – vor allem nach den Umbrüchen 1989/90 anwuchs.
Bild:Rastenburg, 1944, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Karl-Jesko von Puttkamer, Adolf Hitler, Wilhelm Keitel am 15. Juli 1944, Bundesarchiv, Bild 146-1984-079-02
Rastenburg, 1944, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Karl-Jesko von Puttkamer, Adolf Hitler, Wilhelm Keitel am 15. Juli 1944, Bundesarchiv, Bild 146-1984-079-02

Bild:Rastenburg, 2010, Reste des Mannschaftsbunkers im Sperrkreis III, Stiftung Denkmal
Rastenburg, 2010, Reste des Mannschaftsbunkers im Sperrkreis III, Stiftung Denkmal
Das Attentat Stauffenbergs am 20. Juli 1944 im ostpreußischen Führerhauptquartier »Wolfsschanze« und die anschließende Operation »Walküre« gelten als umfangreichster und ranghöchster Umsturzversuch des militärischen Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime Adolf Hitlers. Etwa 200 der Verschwörer wurden hingerichtet oder in den Tod getrieben.
Bild:Rastenburg, 1944, Inneres der zerstörten »Lagebesprechungsbaracke« nach dem Attentat, Bundesarchiv, Bild 146-1972-025-12
Rastenburg, 1944, Inneres der zerstörten »Lagebesprechungsbaracke« nach dem Attentat, Bundesarchiv, Bild 146-1972-025-12

Bild:Rastenburg, 2008, Gedenkzeichen am Ort des Attentats vom 20. Juli 1944, Hans Weingartz
Rastenburg, 2008, Gedenkzeichen am Ort des Attentats vom 20. Juli 1944, Hans Weingartz
Es dauerte Jahrzehnte, bis der Mut der Widerständler des 20. Juli 1944 in beiden deutschen Nachkriegsstaaten angemessen gewürdigt wurde. Heute ist das Datum ein offizieller »Gedenktag an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft«. Im Ausland brachten erst die letzten Jahre eine ausgewogenere Bewertung. Polen, das die meisten Opfer des Zweiten Weltkrieges zu beklagen hatte und zu dessen Staatsgebiet der historische Ort des Attentats gehört, tat sich zunächst schwer in seinem Umgang mit diesem Erbe. 1992 nahmen die drei Söhne Oberst von Stauffenbergs an der feierlichen Enthüllung einer Gedenktafel teil, die die polnisch-deutsche Inschrift trägt: »Hier stand die Baracke, in der am 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Attentat auf Adolf Hitler unternahm. Er und viele andere, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur erhoben hatten, bezahlten mit ihrem Leben.« Bereits im November 1989 hatten Bundeskanzler Helmut Kohl und sein polnischer Amtskollege Tadeusz Mazowiecki eine solche Würdigung des Attentatsversuches in der »Wolfsschanze« beschlossen, doch beide Seiten verhandelten mehr als zweieinhalb Jahre über die Formulierung. 1994, anlässlich des 50. Jahrestages des 20. Juli 1944, legten dann Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Parlamentspräsident Józef Oleksy dort Kränze nieder. Es folgte Mitte der 2000er Jahre eine weitere zweisprachige Bronzetafel mit der Widmung: »In Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus«. Die vorhandene Informationstafel in Nähe beider Gedenktafeln informiert ausschließlich über das gescheiterte Attentat; die Geschichte der »Wolfsschanze« als historischer Ort der Täter und Zentrale der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Europa wird nirgendwo dargestellt.
Bild:Rastenburg, 2010, Informationstafel zum Attentat, Stiftung Denkmal
Rastenburg, 2010, Informationstafel zum Attentat, Stiftung Denkmal

Bild:Rastenburg, 2010, »In Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus«, Stiftung Denkmal
Rastenburg, 2010, »In Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus«, Stiftung Denkmal
Name
»Wilczy Szaniec« – Ruiny byłej kwatery Hitlera
Adresse
Gierłoż
11-400 Kętrzyn
Telefon
+48 (0)89 752 4429
Fax
+48 (0)89 752 4432
Web
http://www.wolfsschanze.pl/de/turystyka.html
E-Mail
kontakt@wolfsschanze.pl
Öffnungszeiten
Das Gelände ist von 8:00 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet.
Angebot
Führungen