• Gestapohaus – Europahaus
Nach dem »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 richtete die Geheime Staatspolizei (Gestapo) eine Dienststelle in Wiener Neustadt, einer Stadt in Niederösterreich südlich von Wien, ein. Unmittelbar darauf folgten die ersten Verhaftungswellen: Mitarbeiter der Gestapo nahmen zahlreiche politische Gegner in »Schutzhaft«, viele von ihnen erlitten Folter und Misshandlungen. Außerdem beschlagnahmte und enteignete die Gestapo jüdisches Eigentum in großem Umfang.
In dem ehemaligen Dienstgebäude der Gestapo ließ das Industrieviertelmuseum zu Beginn der 1990er Jahre eine Folterzelle rekonstruieren. Am 25. Oktober 1994 eröffnete ein Gedenkraum.
Bild:Wiener Neustadt, 2013, Europahaus, Peter Huber
Wiener Neustadt, 2013, Europahaus, Peter Huber
Im Zuge der Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich dehnte die Gestapo ihre Organisation sofort auf das neue Gebiet aus. Es entstand eine Gestapoleitstelle in Wien und zahlreiche Zweig- und Außenstellen. Ihre Aufgabe bestand vor allem in der Verfolgung politischer Gegner, die unmittelbar mit dem »Anschluss« Österreichs einsetzte.
Der Aufbau der Gestapo in Wiener Neustadt begann im März 1938. Mit dem »Anschluss« Österreichs führte die Gestapo in Wiener Neustadt bereits in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1938 Verhaftungen durch, bei denen etwa 90 Menschen, politische Gegner und Juden in »Schutzhaft« genommenen wurden. Einige der Menschen kamen nach wenigen Tagen wieder frei, andere Häftlinge ließ die Gestapo direkt in die Arbeit- und Konzentrationslager einliefern, etwa in das KZ Dachau bei München.
Im Herbst 1938 bezog die Gestapo eine Villa im Stadtpark, die zuvor von den jüdischen Eigentümern beschlagnahmt worden war. Die Haupttätigkeit der Gestapo in Wiener Neustadt lag in der »politischen Gegnerbekämpfung«. Bis 1942 waren vor allem Anhänger der Christlichsozialen Partei betroffen. Danach rückte die Verfolgung von Kommunisten, Sozialdemokraten und anderen politischen Gegnern in den Vordergrund. Die Gestapo beteiligte sich außerdem an zahlreichen Hausdurchsuchungen bei der jüdischen Bevölkerung der Stadt und wirkte an der Beschlagnahmung und Enteignung jüdischen Eigentums mit.
Bild:Wiener Neustadt, 2013, Europahaus, Peter Huber
Wiener Neustadt, 2013, Europahaus, Peter Huber
Zahlreiche Menschen hielt die Gestapo in Wiener Neustadt ab 1938 zeitweise in »Schutzhaft«: Anhänger der Christlichsozialen Partei, Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden und andere. Viele wurden Opfer von Folter und Misshandlung.
Bild:Wiener Neustadt, 1999, Folterzelle im ehemaligen Gestapohaus, Industrieviertelmuseum
Wiener Neustadt, 1999, Folterzelle im ehemaligen Gestapohaus, Industrieviertelmuseum
Nach 1945 nutzten Jugendvereinigungen das ehemalige Gestapo-Gebäude, seit dieser Zeit trug das Gebäude den Namen Europahaus. 1964 wurde an der Rückseite des Gebäudes eine Gedenktafel angebracht, die an die Opfer der Gestapo erinnert. Heute befindet sich in der Villa ein Kindergarten und eine Jugendherberge.
Das »Museum und Archiv für Arbeit und Industrie im Viertel unter dem Wienerwald« ließ eine Folterzelle des Hauses rekonstruieren und 1992 zur Besichtigung freigegeben. Am 25. Oktober 1994 eröffnete ein Gedenkraum, der der Erinnerung an die Verbrechen der Gestapo und des nationalsozialistischen Regimes gewidmet ist.
Bild:Wiener Neustadt, 2013, Gedenktafel an der Fassade, Peter Huber
Wiener Neustadt, 2013, Gedenktafel an der Fassade, Peter Huber

Bild:Wiener Neustadt, 2013, Das Europahaus – Rückseite, Peter Huber
Wiener Neustadt, 2013, Das Europahaus – Rückseite, Peter Huber
Name
Gestapohaus – Europahaus
Adresse
Promenade Nr. 1
2700 Wiener Neustadt
Telefon
+43 (0)2622 260 15
Fax
+43 (0)2622 260 15
Web
http://www.erinnern.at/gedachtnisorte-gedenkstatten/katalog/promenade_nr_1
E-Mail
industrieviertelmuseum@utanet.at
Öffnungszeiten
Die Gedenkstätte ist ganzjährig geöffnet und frei zugänglich.