• Große Synagoge / Ungarisches Jüdisches Museum
Das Ensemble, das die 1859 erbaute Große Synagoge zusammen mit dem Jüdischen Museum und dem Tempel der Helden bildet, zeugt in vielfältiger Weise von Geschichte und Gegenwart des Budapester Judentums.
Bild:Budapest, o.D., Große Synagoge um 1900, Stiftung Denkmal
Budapest, o.D., Große Synagoge um 1900, Stiftung Denkmal

Bild:Budapest, 2010, Fassade der Großen Synagoge, links das Gebäude des Jüdischen Museums, Stiftung Denkmal
Budapest, 2010, Fassade der Großen Synagoge, links das Gebäude des Jüdischen Museums, Stiftung Denkmal
Mitte des 19. Jahrhunderts lebten etwa 40.000 Juden in Pest. In der Mehrheit waren sie reformorientiert, statt Abschottung zogen sie eine Hinwendung zur Mehrheitsgesellschaft vor. Unter diesen Vorzeichen wurde im jüdischen Viertel 1859 die Große Synagoge eröffnet. Jahrzehntelang galt sie für die Mehrheit der Pester Juden als Symbol ihrer Zugehörigkeit zur ungarischen Nation.
Zwischen den Weltkriegen, in einer Zeit, in der die Räume jüdischen Lebens in Ungarn immer weiter eingeengt wurden, entstanden weitere Bauten um die Synagoge herum. 1931 wurde der Tempel der Helden eingeweiht. Diese Synagoge entstand als Andenken an die etwa 10.000 ungarischen Juden, die im Ersten Weltkrieg an der Front gefallen waren. 1932 eröffnete das Jüdische Museum, dessen Sammlung bis dahin in privaten Räumen gezeigt worden war, in einem Neubau, der mit der Großen Synagoge eine stilistische Einheit bildet.
Im Sommer 1944, nach der Besetzung Ungarns durch die deutsche Wehrmacht wurde die Synagoge als Sammellager für Juden benutzt, die deportiert werden sollten. Gleichzeitig war im Jüdischen Museum eine jüdische Arbeitsdienstkompanie untergebracht: jüdische Männer, die von der ungarischen Armee zur Zwangsarbeit eingezogen waren.
Der Gebäudekomplex stand auf dem Gebiet des im November 1944 eingerichteten Budapester Ghettos. Ein Tor zum Ghetto befand sich an der Arkadenmauer des Jüdischen Museums. Vor der Befreiung durch sowjetische Truppen am 18. Januar 1945 starben Tausende Ghettobewohner an Hunger, Kälte und Krankheiten, andere wurden von bewaffneten Angehörigen der ungarischen Pfeilkreuzlerpartei ermordet. Viele Tote, die nicht beerdigt werden konnten, wurden im Hof des Jüdischen Museums gesammelt.
Bild:Budapest, o.D., Große Synagoge um 1900, Stiftung Denkmal
Budapest, o.D., Große Synagoge um 1900, Stiftung Denkmal

Bild:Budapest, 2010, Fassade der Großen Synagoge, links das Gebäude des Jüdischen Museums, Stiftung Denkmal
Budapest, 2010, Fassade der Großen Synagoge, links das Gebäude des Jüdischen Museums, Stiftung Denkmal
Vor der deutschen Besatzung im März 1944 lebten über 200.000 Juden in Budapest. Viele Budapester Juden wurden bei Todesmärschen auf dem Weg zur Zwangsarbeit im Deutschen Reich ermordet, andere in der Stadt selbst. Die genaue Zahl der Opfer ist unklar.
Bei der Befreiung des Ghettos lebten noch etwa 119.000 Juden in Budapest. Tausende Tote lagen unbestattet im Hof der Großen Synagoge.
Bild:Budapest, 1945, Nach der Befreiung des Ghettos betrachten Mitglieder einer Kommission die Leichen im Hof der Synagoge, Magyar Nemzeti Múzeum
Budapest, 1945, Nach der Befreiung des Ghettos betrachten Mitglieder einer Kommission die Leichen im Hof der Synagoge, Magyar Nemzeti Múzeum

Bild:Budapest, 2005, Massengräber und Gedenktafeln im Hof der Synagoge, Stiftung Denkmal
Budapest, 2005, Massengräber und Gedenktafeln im Hof der Synagoge, Stiftung Denkmal
Die vom österreichischen Architekten Ludwig Förster (1797-1863) entworfene Synagoge in der Dohány utca ist bis heute eine der größten Europas. Ihr historisierender, byzantinisch-orientalische Elemente aufgreifender Stil war in der Folge prägend für die Architektur vieler Synagogen. Der Innenraum kann bis zu 6.000 Menschen aufnehmen. Darin befindet sich, für Synagogen sehr ungewöhnlich, eine Orgel.
Das Jüdische Museum stellt in ihrer Ausstellung vor allem religiöse Bräuche und Objekte des Judentums vor. Die letzten Räume sind den Opfern des Holocaust gewidmet.
Bei der Befreiung des Ghettos im Januar 1945 lagen mehrere Tausend unbestattete Tote auf dem Hof des Jüdischen Museums. Etwa 2.300 Leichen wurden aus der Not heraus in Massengräbern auf dem Hof beerdigt, wenngleich es jüdischen Traditionen widerspricht, Tote neben einer Synagoge zu bestatten. Später brachten Angehörige Gedenksteine an den Massengräbern an. Der Hof, den Besucher nicht betreten dürfen, spiegelt heute noch diesen Zustand wider.
In einem weiteren Hof befindet sich der »Raoul-Wallenberg-Gedenkpark«, benannt nach dem schwedischen Diplomaten, der 1944-45 Tausenden Budapester Juden das Leben rettete. Im Hof befinden sich zahlreiche Gedenktafeln in Erinnerung an Menschen, die ungarischen Juden halfen. Seit 1991 steht der vom ungarischen Bildhauer Imre Varga gestaltete »Baum des Lebens« in der Mitte des Hofes. Auf den metallenen Blättern des Baumes sind die Namen von etwa 30.000 ermordeten Juden aus Ungarn eingraviert.
Bild:Budapest, 2005, Ausstellung im Jüdischen Museum, Stiftung Denkmal
Budapest, 2005, Ausstellung im Jüdischen Museum, Stiftung Denkmal

Bild:Budapest, 2010, Der »Baum des Lebens« im »Raoul-Wallenberg-Gedenkpark«, Stiftung Denkmal
Budapest, 2010, Der »Baum des Lebens« im »Raoul-Wallenberg-Gedenkpark«, Stiftung Denkmal
Bild:Budapest, 2005, Türme der Großen Synagoge, Stiftung Denkmal
Budapest, 2005, Türme der Großen Synagoge, Stiftung Denkmal
Bild:Budapest, 2005, Ansicht des Altars und der Orgel in der Großen Synagoge, Stiftung Denkmal
Budapest, 2005, Ansicht des Altars und der Orgel in der Großen Synagoge, Stiftung Denkmal
Bild:Budapest, 2005, Gedenktafel im Jüdischen Museum für die Opfer des Budapester Ghettos, Stiftung Denkmal
Budapest, 2005, Gedenktafel im Jüdischen Museum für die Opfer des Budapester Ghettos, Stiftung Denkmal
Bild:Budapest, 2005, Der 1931 erbaute Tempel der Helden, Stiftung Denkmal
Budapest, 2005, Der 1931 erbaute Tempel der Helden, Stiftung Denkmal
Bild:Budapest, 2010, Eine Gedenktafel an der Außenmauer erinnert an die Befreiung des Budapester Ghettos durch die sowjetische Armee, Stiftung Denkmal
Budapest, 2010, Eine Gedenktafel an der Außenmauer erinnert an die Befreiung des Budapester Ghettos durch die sowjetische Armee, Stiftung Denkmal
Name
Nagy Zsinagóga / Magyar Zsidó Múzeum
Adresse
Dohány utca 2
1077 Budapest
Telefon
+36 (0)1 321 04 08
Fax
+36 (0)1 343 67 56
Web
http://www.zsidomuzeum.hu
E-Mail
info@zsidomuzeum.hu
Öffnungszeiten
März bis Oktober sonntags bis donnerstags 10.00 bis 18.00, freitags 10.00 bis 16.30
November bis Februar sonntags bis donnerstags 10.00 bis 16.30, freitags 10.00 bis 14.00
Samstags geschlossen
Angebot
Ausstellung, Vorträge, Archiv, Konzerte, Fortbildungsprogramme zum pädagogischen Umgang mit dem Holocaust und zum jüdischen Leben in Ungarn