• Gedenkstätte von Distomo
An das am 10. Juni 1944 verübte Massaker von Distomo erinnert eine Gedenkstätte auf einem Hügel über dem Dorf. Angehörige einer SS-Kompanie brachten an diesem Tag beinahe alle Einwohner des Dorfes bei einer »Vergeltungsmaßnahme« um.
Bild:Distomo, o.D., Das Dorf vor dem Krieg, AP Archive
Distomo, o.D., Das Dorf vor dem Krieg, AP Archive

Bild:Distomo, 2004, Denkmal mit Beinhaus, Alexios Menexiadis
Distomo, 2004, Denkmal mit Beinhaus, Alexios Menexiadis
Ab April 1941 stand die Region Böotien in Mittelgriechenland unter deutscher Besatzung. Ab 1944 häuften sich die Übergriffe durch Partisanen der ELAS, der griechischen Volksbefreiungsarmee, auf deutsche Truppen in dieser Region. Die deutschen Streitkräfte reagierten mit Repressalien gegenüber der Zivilbevölkerung. Für jeden getöteten Soldaten richteten sie griechische Geiseln hin, ganze Ortschaften wurden niedergebrannt. Am 10. Juni 1944 geriet ein Erkundungstrupp der 4. SS-Polizei-Panzergrenadierdivision in der Nähe des Dorfes Distomo in einen Hinterhalt der Partisanen. Mehrere Soldaten wurden dabei getötet oder verletzt. Am gleichen Tag befahl der Kommandeur der Kompanie, SS-Hauptsturmführer Fritz Lautenbach, eigenmächtig und ohne die Befugnis für einen solchen Befehl zu haben, eine »Sühnemaßnahme« gegen Distomo. Gegen Abend rückte die Kompanie in das Dorf ein und richtete ein Massaker unter den Bewohnern an. Die Soldaten gingen dabei besonders rücksichtslos und brutal vor. Im Anschluss setzten sie die Häuser in Brand. In einem Bericht an seine Vorgesetzten rechtfertigte Lautenbach die willkürliche »Vergeltungsmaßnahme«. Er sagte aus, von Dorfbewohnern mit Maschinengewehren und Granatwerfern beschossen worden zu sein.
Bild:Distomo, o.D., Das Dorf vor dem Krieg, AP Archive
Distomo, o.D., Das Dorf vor dem Krieg, AP Archive

Bild:Distomo, 2004, Denkmal mit Beinhaus, Alexios Menexiadis
Distomo, 2004, Denkmal mit Beinhaus, Alexios Menexiadis
218 Einwohner aus Distomo starben bei dem Massaker am 10. Juni 1944. Unter den Opfern befanden sich vor allem viele Frauen, Kinder und Alte.
Bild:Distomo, 1945, Eine Überlebende des Massakers bei der Grabpflege, Benaki Museum - Photographic Archive, Voula Papaioannou
Distomo, 1945, Eine Überlebende des Massakers bei der Grabpflege, Benaki Museum - Photographic Archive, Voula Papaioannou

Bild:Distomo, 2004, Ausschnitt aus dem Halbrelief mit der Darstellung des Massakers vom 10. Juni 1944, Alexios Menexiadis
Distomo, 2004, Ausschnitt aus dem Halbrelief mit der Darstellung des Massakers vom 10. Juni 1944, Alexios Menexiadis
Die Gedenkstätte wurde in den 1980er Jahren auf einem Hügel oberhalb Distomos errichtet. In den Gedenkort ist eine kleine Kapelle mit einem Beinhaus integriert, in dem die Schädel der Opfer aufbewahrt werden. Auf einer Wand aus Marmor sind die Namen und das Alter der Opfer aufgelistet. Jedes Jahr am 10. Juni findet hier eine Gedenkfeier statt an der regelmäßig auch der deutsche Botschafter in Griechenland teilnimmt.
Etwa 10 Kilometer weiter östlich, an der Straße in Richtung Athen, befindet sich ein weiteres Denkmal, das an das Massaker erinnert. Es wurde von der Bildhauerin Aggelika Korovessi geschaffen.
Der Streit um die juristische Aufarbeitung des Massakers von Distomo erregte internationales Aufsehen. Überlebende und Hinterbliebene des Massakers klagten in den 1990er Jahren bei griechischen Gerichten, um von der Bundesrepublik Deutschland Entschädigungszahlungen zu erhalten. Trotz eines rechtskräftigen Urteils des obersten griechischen Gerichts weigert sich Deutschland mit Hinweis auf die Staatenimmunität, das Urteil anzuerkennen.
Bild:Distomo, 2004, Innenansicht des Beinhauses und der Kapelle mit Schädeln der Ermordeten, Alexios Menexiadis
Distomo, 2004, Innenansicht des Beinhauses und der Kapelle mit Schädeln der Ermordeten, Alexios Menexiadis

Bild:Distomo, 2011, Denkmal bei der Straße nach Athen, Albtalkourtaki
Distomo, 2011, Denkmal bei der Straße nach Athen, Albtalkourtaki
Name
Mnimio Sfaghis Distomou
Telefon
+30 (0)22670 22 492
Fax
+30 (0)22670 22 492