• Gedenkstätte von Kalavryta
Bei einer »Vergeltungsmaßnahme« erschossen Wehrmachtssoldaten am 13. Dezember 1943 fast alle männlichen Einwohner der Stadt Kalavryta. Dies war eines der größten Massaker an der Zivilbevölkerung, das Einheiten der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges verübten. Am Ort der Massenerschießung, an einem weithin sichtbaren Hügel über der Stadt, erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer.
Bild:Kalavryta, o.D., Männer von Kalavryta, Demotiko Mouseio Kalavritinou Olokaytomatos
Kalavryta, o.D., Männer von Kalavryta, Demotiko Mouseio Kalavritinou Olokaytomatos

Bild:Kalavryta, 2004, Kreuz an der Erschießungsstelle, Alexios Menexiadis
Kalavryta, 2004, Kreuz an der Erschießungsstelle, Alexios Menexiadis
Kalavryta ist eine Kleinstadt in den Bergen im Norden des Peloponnes. Seit Mai 1941 stand die Gegend unter italienischer Besatzung. Als sich Partisanenaktivitäten im Gebiet verstärkten, traf zur Unterstützung der italienischen Einheiten im April 1943 die 117. Jägerdivision der Wehrmacht auf der Halbinsel ein. Diese Einheit war zuvor als 717. Infanteriedivision in Serbien stationiert, wo sie zahlreiche Morde an Zivilisten verübt hatte, unter anderem in Kraljevo im Oktober 1941.
Seit Herbst 1943 drohte die Wehrmacht als Antwort auf die wachsende Widerstandsbewegung damit, für jeden getöteten Soldaten 50 griechische Geiseln zu erschießen. Im Oktober 1943 nahmen Partisanen unweit von Kalavryta etwa achtzig Wehrmachtssoldaten des Jägerregiments 749 gefangen und forderten ihrerseits die Freilassung von fünfzig griechischen Gefangenen für jeden Soldaten. Ende November befahl der Kommandeur der 117. Jägerdivision, Generalmajor Karl von Le Suire, eine Militäraktion unter dem Decknamen »Unternehmen Kalawrita« zur Befreiung der Soldaten und die Durchführung von »Vergeltungsaktionen« an der Zivilbevölkerung. Als sich die deutschen Truppen näherten, erschossen die Partisanen am 7. Dezember ihre Geiseln im Dorf Maseika. Die Wehrmacht hielt fälschlicherweise die Stadt Kalavryta für ein Zentrum der Partisanenbewegung. Am frühen Morgen des 13. Dezember 1943 befahlen Offiziere und Soldaten der 117. Jägerdivision den Einwohnern, sich auf dem Hauptplatz zu sammeln. Frauen, Kinder und Greise wurden in der Schule eingesperrt, während sämtliche Männer über 15 Jahren zu einem nahegelegenen Hügel geführt wurden. Die Stadt wurde geplündert und größtenteils zerstört. Am Nachmittag erschossen Soldaten die Männer auf dem Hügel mit Maschinengewehren. Etwa 13 Männer überlebten den Massenmord verletzt. Die in der Schule eingesperrten Einwohner konnten aus dem brennenden Gebäude fliehen.
In diesen Wochen brannten Wehrmachtseinheiten 28 Ortschaften und Klöster in der Region nieder.
Bild:Kalavryta, o.D., Männer von Kalavryta, Demotiko Mouseio Kalavritinou Olokaytomatos
Kalavryta, o.D., Männer von Kalavryta, Demotiko Mouseio Kalavritinou Olokaytomatos

Bild:Kalavryta, 2004, Kreuz an der Erschießungsstelle, Alexios Menexiadis
Kalavryta, 2004, Kreuz an der Erschießungsstelle, Alexios Menexiadis
477 männliche Einwohner Kalavrytas fielen dem Massaker der 117. Jäger-Division am 13. Dezember 1943 zum Opfer. Unter ihnen waren auch Jungen, die jünger als 15 Jahre waren.
Insgesamt wurden bei den »Sühnemaßnahmen« bis zum Abzug der deutschen Truppen im Oktober 1944 mehr als 2.300 Bewohner des Peloponnes als Geiseln erhängt oder erschossen.

Bild:Kalavryta, o.D., Trauernde Frau an einem Grab, Demotiko Mouseio Kalavritinou Olokaytomatos
Kalavryta, o.D., Trauernde Frau an einem Grab, Demotiko Mouseio Kalavritinou Olokaytomatos

Bild:Kalavryta, 2004, Blick auf die Gesamtanlage der Gedenkstätte »Topos Thysias«, Alexios Menexiadis
Kalavryta, 2004, Blick auf die Gesamtanlage der Gedenkstätte »Topos Thysias«, Alexios Menexiadis
Kalavryta wurde am 13. Dezember 1943 größtenteils niedergebrannt. Die Spuren der Zerstörung sind auch noch Jahrzehnte später sichtbar.
1967 wurde die Gedenkstätte »Topos Thysias« (deutsch etwa: Ort der Opfer) errichtet. Sie befindet sich am Ort der Massenerschießung mit Blick auf die Stadt. Sie zählt zu den wichtigsten Erinnerungsorten in Griechenland, zumal Kalavryta seit dem Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich als Sinnbild für griechischen Widerstandsgeist gilt. Im nahegelegenen Kloster Agia Lavra, das die Männer der 117. Jägerdivision im Dezember 1943 ebenfalls zerstörten, nahm die griechische Revolution am 25. März 1821 ihren Ausgang.
Neben zahlreichen Gräbern, die sich am Hügel befinden, stehen vier große Marmortafeln mit den Namen der getöteten Männer. Ein großes Kreuz steht oberhalb der Anlage und ist weithin sichtbar. Jedes Jahr am 13. Dezember findet hier eine Gedenkfeier statt, die eine zentrale Rolle im Leben der Stadt einnimmt.
Seit 2005 ist in der alten Schule, in der am 13. Dezember 1943 Frauen, Kinder und Alte eingesperrt waren, ein Museum mit dem Namen »Museum des Holocaust von Kalavryta« eingerichtet. Zudem erinnert die zentrale Kirche an das Massaker. Ihre Uhr zeigt stets 14.34 Uhr an, den Zeitpunkt des Beginns der Massenerschießung.
Bis heute haben die Hinterbliebenen keine Entschädigungszahlungen aus Deutschland erhalten.
Bild:Kalavryta, 2004, Teil der Anlage mit den Namen der Erschossenen, Alexios Menexiadis
Kalavryta, 2004, Teil der Anlage mit den Namen der Erschossenen, Alexios Menexiadis

Bild:Kalavryta, 2004, Die ehemalige Schule, heute »Museum des Holocaust von Kalavryta«, Alexios Menexiadis
Kalavryta, 2004, Die ehemalige Schule, heute »Museum des Holocaust von Kalavryta«, Alexios Menexiadis
Name
Mnimeio Thissias Kalavryton
Telefon
+30 (0)26920 223 90
Fax
+30 (0)26920 223 90