• Widerstandsmuseum Amsterdam
Seit 1985 thematisiert das Widerstandsmuseum in Amsterdam die Geschichte von Besatzung und Widerstand in den Niederlanden während des Zweitens Weltkriegs.
Bild:Den Haag, Juni 1943, Trauerfeier für Generalkommissar Fritz Schmidt, eine der wichtigsten Figuren des Besatzungsregimes, Image bank WW2 – NIOD
Den Haag, Juni 1943, Trauerfeier für Generalkommissar Fritz Schmidt, eine der wichtigsten Figuren des Besatzungsregimes, Image bank WW2 – NIOD

Bild:Amsterdam, 2009, Blick in die Ausstellung mit einem Plakat der niederländischen Nationalsozialisten, Marc Chang Sing Pang
Amsterdam, 2009, Blick in die Ausstellung mit einem Plakat der niederländischen Nationalsozialisten, Marc Chang Sing Pang
Trotz ihrer Neutralität wurden die Niederlande am 10. Mai 1940 vom Deutschen Reich angegriffen. Die Königin und die Regierung flohen nach London. Am 15. Mai kapitulierte die niederländische Armee. Das Land wurde zum »Reichskommissariat Niederlande« mit dem SS-Obergruppenführer Arthur Seyβ-Inquart als Reichskommissar an der Spitze. Mittelfristig sollten die Niederlande im Deutschen Reich aufgehen. Die Besatzungsbehörden agierten deshalb anfangs vorsichtig und hofften auf Sympathien und eine »Selbstnazifizierung« in der Bevölkerung. Dabei stützten sich die Besatzer auf die »Nationaal-Socialistische Beweging« (deutsch: National-Sozialistische Bewegung), die als einzige Partei von den Besatzungsbehörden zugelassen war. Die Unterstützung für den Nationalsozialismus blieb jedoch gering. Als im Februar 1941 bei Razzien im jüdischen Viertel in Amsterdam über 400 Juden von der Ordnungspolizei verhaftet wurden, reagierten viele empört. Es kam zu Massenprotesten, dem sogenannten Februarstreik.
Danach spitzte sich die Lage im Land zu: Während die Besatzungsbehörden zu immer härteren Unterdrückungsmaßnahmen griffen, wurde auch der Widerstand immer intensiver. Den Besatzern ging es inzwischen vor allem darum, das Land wirtschaftlich auszubeuten und es »judenfrei« zu machen. Die massenhafte Verschleppung von Arbeitskräften ließ die niederländische Bevölkerung zusätzlich verbittern.
Obwohl der Unmut gegen die Besatzung weit verbreitet war, leistete nur eine kleine Minderheit aktiv Widerstand. Die Widerstandsbewegung fand ihren Ausdruck in der Untergrundpresse, in Streiks, Sabotageakten und Attentaten auf führende Repräsentanten und Kollaborateure des Besatzungsregimes. Die Besatzer antworteten mit Razzien, Geiselerschießungen, Deportationen und Hinrichtungen.
Bild:Den Haag, Juni 1943, Trauerfeier für Generalkommissar Fritz Schmidt, eine der wichtigsten Figuren des Besatzungsregimes, Image bank WW2 – NIOD
Den Haag, Juni 1943, Trauerfeier für Generalkommissar Fritz Schmidt, eine der wichtigsten Figuren des Besatzungsregimes, Image bank WW2 – NIOD

Bild:Amsterdam, 2009, Blick in die Ausstellung mit einem Plakat der niederländischen Nationalsozialisten, Marc Chang Sing Pang
Amsterdam, 2009, Blick in die Ausstellung mit einem Plakat der niederländischen Nationalsozialisten, Marc Chang Sing Pang
Während der Besatzung starben etwa 250.000 Niederländer. Mehr als 100.000 von ihnen waren Juden, die in den Osten deportiert und dort ermordet wurden. Viele Zivilisten starben an den schlechten Lebensbedingungen, die während des Krieges herrschten. Der Mangel an Lebensmitteln war während des sogenannten Hungerwinters von 1944/45 derart gravierend, dass 20.000 Zivilisten an dessen Folgen starben.
Bild:Neerkant, Oktober 1944, Ein Widerstandskämpfer begleitet einen Soldaten der 38. US-Infanteriedivision hinter deutschen Linien, Image bank WW2 – NIOD
Neerkant, Oktober 1944, Ein Widerstandskämpfer begleitet einen Soldaten der 38. US-Infanteriedivision hinter deutschen Linien, Image bank WW2 – NIOD

Bild:Amsterdam, 2009, Widerstandsmuseum im Plancius-Gebäude, Marc Chang Sing Pang
Amsterdam, 2009, Widerstandsmuseum im Plancius-Gebäude, Marc Chang Sing Pang
Als 1980 eine Ausstellung zum Thema Widerstand auf großes öffentliches Interesse stieß, kamen erste Stimmen auf, um der niederländischen Widerstandsbewegung ein eigenes Museum zu widmen. Ehemalige Widerstandskämpfer und interessierte Bürger machten sich an die Arbeit und sammelten Gegenstände, die an Widerstand und Alltagsleben in der Besatzungszeit erinnerten. In Absprache mit der jüdischen Gemeinde wählten die niederländischen Behörden zunächst ein ehemaliges Synagogengebäude in Süd-Amsterdam als Standort des Museums aus. Am 19. November 1985 weihte Prinz Bernhard das Museum ein. Da der Raum knapp wurde und das Museum zu weit von den Touristenströmen entfernt lag, zog es 1999 in ein größeres Gebäude im Zentrum der Stadt um. Seitdem befindet sich es sich im 1876 durch die jüdische Gemeinde erbauten Plancius-Gebäude.
Bild:Amsterdam, 2009, Druckmaschine, Marc Chang Sing Pang
Amsterdam, 2009, Druckmaschine, Marc Chang Sing Pang

Bild:Amsterdam, 2009, Blick in die Ausstellung, Marc Chang Sing Pang
Amsterdam, 2009, Blick in die Ausstellung, Marc Chang Sing Pang
Name
Verzetsmuseum Amsterdam
Adresse
Plantage Kerklaan 61
1018 CX Amsterdam
Telefon
+31 (0)20 620 25 35
Fax
+31 (0)20 620 29 60
Web
http://www.verzetsmuseum.org
E-Mail
info@verzetsmuseum.org
Öffnungszeiten
Dienstags bis freitags 10.00 bis 17.00,
Samstag bis Montag und an Feiertagen 11.00 bis 17.00
Angebot
Museum mit Dauerausstellung und Wechselausstellungen, Bibliothek, Archiv und Sammlungen, Führungen nach Voranmeldung (Niederländisch, Deutsch und Englisch)