• KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing
In der Nähe der nordfriesischen Stadt Husum und der Ortschaft Schwesing befindet sich die »KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing«. Von September bis Ende Dezember 1944 mussten bis zu 2.500 Häftlinge bei der Errichtung der Festungsanlage »Friesenwall« Zwangsarbeit leisten.
Bild:Husum, 2003, Backsteingebäude als Mahnmal,  A. Wagner
Husum, 2003, Backsteingebäude als Mahnmal, A. Wagner
Nach der Landung alliierter Truppen in der Normandie im Juni 1944 befahl Adolf Hitler am 28. August 1944 den Bau einer Befestigungsanlage an der deutschen Nordseeküste und der dänischen Grenze. Zu diesem Zweck wurden mehrere Zwangsarbeitslager entlang der Küste errichtet. Am 25. September 1944 transportierte die SS etwa 1.500 männliche Häftlinge aus dem Konzentrationslager (KZ) Neuengamme nach Schwesing bei Husum. Die Häftlinge wurden in einem Barackenlager untergebracht, das ursprünglich der Reichsarbeitsdienst (RAD) für 400 Personen errichtet hatte. Fortan hieß das Lager »Außenlager Husum-Schwesing«. Am 20. Oktober traf ein weiterer Transport mit 1.000 Häftlingen aus dem Stammlager Neuengamme ein, so dass sich zwischenzeitlich fast 2.500 Menschen in Husum-Schwesing befanden. Am 1. November wurden die zuletzt eingetroffenen Häftlinge in das Außenlager Ladelund weiterverschleppt. Die Häftlinge in Husum-Schwesing mussten beim Bau der Befestigungen Zwangsarbeit leisten. Der größte Teil von ihnen musste Panzergräben ausheben. Bei dieser schweren körperlichen Arbeit, immer den Schikanierungen der Kapos und der Wachmannschaften ausgesetzt, standen die Zwangsarbeiter meistens schon nach kurzer Zeit im Wasser, das aus dem Boden der Schächte trat. Aufgrund der schweren Arbeit, der unzureichenden Ernährung und der fehlenden hygienischen Versorgung gab es viele Krankheiten und Todesfälle in Husum-Schwesing: Jeden Tag starben etwa sechs Menschen, fast die Hälfte aller Häftlinge war krank. Da die militärische Lage sich im Winter 1944 anders entwickelte als von deutscher Seite erwartet, wurde das Lager am 29. Dezember 1944 wieder aufgelöst. Die SS brachte die Häftlinge zurück in das Stammlager Neuengamme. Der »Friesenwall« wurde nie fertig gestellt.
Bild:Husum, 2003, Backsteingebäude als Mahnmal,  A. Wagner
Husum, 2003, Backsteingebäude als Mahnmal, A. Wagner
Der größte Teil der Häftlinge in Husum-Schwesing kam aus den Niederlanden. Weitere größere Gruppen bildeten Franzosen, Dänen und Polen. Es gab aber auch Häftlinge aus der Sowjetunion, aus Deutschland, Belgien, Italien, Jugoslawien, dem Protektorat Böhmen und Mähren (heute Tschechische Republik) und Spanien. Wie viele Menschen in Husum starben kann nur geschätzt werden. Wahrscheinlich gab es zwischen 300 und 400 Todesopfer.
Bild:Husum, 2003, Stelenfeld mit Namen der Todesopfer, A. Wagner
Husum, 2003, Stelenfeld mit Namen der Todesopfer, A. Wagner

Bild:Husum, 2003, Informationstafel zum Außenlager Husum-Schwesing, A. Wagner
Husum, 2003, Informationstafel zum Außenlager Husum-Schwesing, A. Wagner
Die »KZ-Arbeitsgruppe Husum-Schwesing« veröffentlichte 1983 die Geschichte des Außenlagers Husum-Schwesing in Husum. Von 1985 bis 1994 kaufte der Kreis Nordfriesland große Teile des ehemaligen Lagergeländes an. Am 27. November 1987 wurde eine Gedenkstätte auf dem Gelände eingeweiht. Neben Informationstafeln befindet sich dort ein Backsteingebäude, in dem ein Modell des ehemaligen Außenlagers zu sehen ist. Ein vergittertes Fenster und nah aneinander stehende Wände sollen die Enge des Lageralltags symbolisieren. Im Jahr 2000 wurde die alte Lagerstraße freigelegt. Seit 2001 befindet sich auf dem Gelände auch ein »Stelenfeld« aus rostigen Metallsäulen, auf denen Namen der Todesopfer von Husum-Schwesing zu lesen sind. Jede dieser über 300 Stelen steht für einen Toten.
Bild:Husum, 2003, Innenansicht des Mahnmals,  A. Wagner
Husum, 2003, Innenansicht des Mahnmals, A. Wagner

Name
KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing
Telefon
+49 (0)4841 8973-0
Fax
+49 (0)4841 8973-111
Web
http://www.nordfriesland.de
Öffnungszeiten
Jederzeit zugänglich.