• Gedenkstätte Lidice
Im Juni 1942 wurde das Dorf Lidice (deutsch: Liditz) im Zuge einer nationalsozialistischen Vergeltungsaktion ausgelöscht. Wo sich früher das Dorf befand, erinnern heute ein Museum, eine Galerie und ein Park an das Verbrechen und an die Opfer.
Bild:Lidice, o.D., Lidice vor und nach der Zerstörung, Památník Lidice
Lidice, o.D., Lidice vor und nach der Zerstörung, Památník Lidice

Bild:Lidice, 2000, Die 1962 eingeweihte Gedenkstätte, Památník Lidice
Lidice, 2000, Die 1962 eingeweihte Gedenkstätte, Památník Lidice
In Lidice, einem kleinen Ort nordwestlich von Prag, lebten 1942 etwa 500 Menschen. Nachdem der Chef des Reichsicherheitshauptamts und stellvertretender Reichsprotektor für Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich an den Folgen des Attentats von tschechischen Widerstandskämpfern am 4. Juni 1942 starb, begann eine Welle von brutalen Vergeltungsmaßnahmen im Protektorat. So verdächtigte die Gestapo eine Bauernfamilie in Lidice mit den Attentätern in Kontakt zu stehen, da ein Sohn der Familie Mitglied der tschechischen Exilarmee in Großbritannien war. Die deutschen Besatzer wollten auf dem Bauernhof ein Exempel statuieren.
In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 kamen Einheiten der Kladnoer Schutzpolizei, der Gestapo und der Wehrmacht ins Dorf. Alle Einwohner wurden verhaftet und sämtliche Männer auf dem Hof der verdächtigten Familie erschossen. Anschließend zündeten die Besatzer die Häuser an und machten das Dorf später dem Erdboden gleich. Die Frauen und Kinder brachten sie in die nahe gelegene Stadt Kladno, wo sie drei Tage in einer Turnhalle festgehalten wurden. Danach wurden die Kinder gewaltsam von den Frauen getrennt. Die Frauen wurden später ins Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt, die Kinder ins Ghetto Lodz. 82 von ihnen deportierte die SS von dort ins Vernichtungslager Kulmhof und erstickte sie durch Motorabgase in LKW. Lediglich 17 Kinder aus Lidice, die die SS als »eindeutschungswürdig« betrachtete, überlebten in Erziehungsanstalten oder bei deutschen Pflegefamilien den Krieg.
Bild:Lidice, o.D., Lidice vor und nach der Zerstörung, Památník Lidice
Lidice, o.D., Lidice vor und nach der Zerstörung, Památník Lidice

Bild:Lidice, 2000, Die 1962 eingeweihte Gedenkstätte, Památník Lidice
Lidice, 2000, Die 1962 eingeweihte Gedenkstätte, Památník Lidice
Bei der Vergeltungsaktion in Lidice wurden 173 Männer noch vor Ort erschossen. 7 Frauen wurden noch im Juni 1942 im Protektorat hingerichtet, 50 starben in Konzentrationslagern. 82 Kinder sind im Vernichtungslager Kulmhof vergast worden. Von den früheren Einwohnern des Dorfes überlebten lediglich 143 Frauen und 17 Kinder den Krieg.
Bild:Lidice, 1942, Die Leichen der ermordeten Männer vor dem Bauernhof der verdächtigten Familie, Památník Lidice
Lidice, 1942, Die Leichen der ermordeten Männer vor dem Bauernhof der verdächtigten Familie, Památník Lidice

Bild:Lidice, 2000, Denkmal für die ermordeten Kinder, Památník Lidice
Lidice, 2000, Denkmal für die ermordeten Kinder, Památník Lidice
1947 begann die Tschechoslowakei damit, den zurückgekehrten Überlebenden in der Nähe des ehemaligen Dorfes Lidice eine neue Ortschaft mit dem gleichen Namen aufzubauen. Es entstanden eine Gedenkstätte sowie ein symbolisches Grab für die ermordeten Männer. 1955 konnte schließlich der »Rosengarten der Freundschaft und des Friedens« zum Gedenken an die Opfer eingeweiht werden. 1962 wurden die Gedenkstätte sowie ein kleines Museum eröffnet. Seit 2000 steht eine Skulpturengruppe auf dem Gelände, die die ermordeten Kinder aus Lidice darstellen soll. Die Bildhauerin Marie Uchytilová arbeitete von 1969 bis zu ihrem Tod 1989 an dem Werk, die Bronzeabgüsse entstanden in den 1990er Jahren mit Hilfe von Spenden aus Tschechien und dem Ausland. Seit 2003 ergänzt eine Kunstgalerie das Angebot der Gedenkstätte, sie befindet sich im neuen Dorf.
Bild:Lidice, 2000, Ruinen des ehemaligen Dorfes, Památník Lidice
Lidice, 2000, Ruinen des ehemaligen Dorfes, Památník Lidice

Bild:Lidice, 2000, Ansicht des Denkmals für die ermodeten Kinder, Památník Lidice
Lidice, 2000, Ansicht des Denkmals für die ermodeten Kinder, Památník Lidice
Name
Památník Lidice
Telefon
+420 (0)312 253 702
Fax
+420 (0)312 253 063
Web
http://www.lidice-memorial.cz
E-Mail
lidice@lidice-memorial.cz
Öffnungszeiten
Museum: November bis Februar täglich 9.00 bis 16.00, März 9.00 bis 17.00, April bis Oktober täglich 9.00 bis 18.00
Galerie: November bis Februar 10.00 bis 16.00, März bis Oktober täglich 10.00 bis 17.00.
Angebot
Dauerausstellung, Wechselausstellungen, Workshops für Kinder im Bildungszentrum der Kunstgalerie, jährliche Gedenkfeier am 10. Juni, dem Jahrestag der Vernichtung des Dorfes