• Jüdisches Zentrum Oświęcim
In der polnischen Kleinstadt Oświęcim (deutsch: Auschwitz) war vor dem Zweiten Weltkrieg eine große jüdische Gemeinde beheimatet. Seit 2000 erinnert das Jüdische Zentrum Oświęcim an sie, aber auch allgemein an alle jüdischen Opfer des Holocaust. Das Jüdische Zentrum befindet sich nur etwa zwei Kilometer vom ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz entfernt.
Bild:Oświęcim, um 1939, Marktplatz, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, um 1939, Marktplatz, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu

Bild:Oświęcim, 2012, Jüdisches Zentrum, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, 2012, Jüdisches Zentrum, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Die polnische Kleinstadt Oświęcim (deutsch: Auschwitz) liegt im Süden Polens nahe Krakau. Jahrhundertelang lag die Stadt im Grenzgebiet zwischen deutschem und polnischem Einflussgebiet. So wechselte auch der Ortsname mehrfach zwischen dem polnischen und dem deutschen Namen. Aufgrund ihrer Lage an den Ufern der Sola (polnisch: Soła) bekam Oświęcim im Mittelalter das Stadtrecht verliehen und wuchs zu einer wichtigen Handelsstadt heran. Juden lebten hier bereits seit dem frühen Mittelalter. Im 19. Jahrhundert, als dieser Teil Polens zum Habsburgerreich gehörte, wurde Oświęcim ein wichtiges kulturelles Zentrum für das regionale Judentum. Stetig wuchs die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder, mehrere Synagogen entstanden. Nach dem Ersten Weltkrieg, nunmehr wieder zu Polen gehörend, wuchs die Stadt rasant. 1939 lebten etwa 14.000 Menschen in der Stadt, über die Hälfte von ihnen waren Juden.
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im September 1939 begannen die Besatzer sofort Maßnahmen gegen Juden zu ergreifen: Viele mussten ihre Geschäfte schließen oder an Nichtjuden verkaufen. Einige Juden versuchten zu fliehen. Die Nationalsozialisten zerstörten alle Synagogen der Stadt, bis auf eine, die als Materiallager weiter genutzt wurde. Ab Februar 1940 mussten einige hundert Juden aus Oświęcim Zwangsarbeit leisten, zum Teil beim Aufbau des Konzentrationslagers Auschwitz. Später mussten alle Juden in ein bestimmtes Stadtviertel umziehen. Etwa 600 Juden aus Oświęcim deportierte die SS im Oktober 1940 in Arbeitslager. Alle noch in der Stadt verbliebenen Juden vertrieb die SS im April 1941 aus dem Ort und trieb sie in Ghettos der umliegenden Orte Sosnowitz (polnisch: Sosnowiec), Bendsburg (polnisch: Będzin) und Krenau (polnisch: Chrzanów). Von dort aus wurden sie in Vernichtungslager deportiert, unter anderem nach Auschwitz.
Bild:Oświęcim, um 1939, Marktplatz, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, um 1939, Marktplatz, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu

Bild:Oświęcim, 2012, Jüdisches Zentrum, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, 2012, Jüdisches Zentrum, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Beinahe alle Juden aus Oświęcim, sowie jüdische Flüchtlinge, die sich dort aufhielten, wurden durch die Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Insgesamt kamen etwa 8.000 Juden aus Oświęcim während des Holocaust um.
Bild:Oświęcim, 1940, Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz tragen die Reste der zerstörten Großen Synagoge ab, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, 1940, Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz tragen die Reste der zerstörten Großen Synagoge ab, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu

Bild:Oświęcim, 2009, Die wiederhergestellte Chewra-Lomdei-Meshnajot-Synagoge, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, 2009, Die wiederhergestellte Chewra-Lomdei-Meshnajot-Synagoge, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es in Oświęcim keine jüdische Gemeinde mehr. Der Ort, an dem sich das bekannteste Vernichtungslager der Nationalsozialisten befand, wurde zum weltweiten Symbol für die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Es war weit weniger bekannt, dass es in der Stadt Oświęcim eine lebendige jüdische Gemeinde gegeben hatte. 1995 gründete eine amerikanische Initiative eine Stiftung zur Errichtung eines jüdischen Kulturzentrums in Oświęcim. Das einzige erhalten gebliebene jüdische Gotteshaus, die Chewra-Lomdei-Meshnajot-Synagoge, wurde restauriert und wieder eingerichtet. Seit 2000 zeigt das Jüdische Zentrum Oświęcim Geschichte und Kultur der Oświęcimer Juden sowie wechselnde Ausstellungen. Das Museum ist ein Ableger des 1997 geöffneten »Museum of Jewish Heritage« (deutsch: Museum für jüdisches Erbe) in New York. Es unterhält auch ein Begegnungs- und Bildungszentrum mit internationalem Anspruch.
Bild:Oświęcim, 2009, Innenansicht der Chewra-Lomdei-Meshnajot-Synagoge, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, 2009, Innenansicht der Chewra-Lomdei-Meshnajot-Synagoge, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu

Bild:Oświęcim, 2012, Ansicht der Sonderausstellung »Neues Leben«, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Oświęcim, 2012, Ansicht der Sonderausstellung »Neues Leben«, Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Name
Centrum Żydowskie w Oświęcimiu
Adresse
Plac ks. Jana Skarbka 5
32-600 Oświęcim
Telefon
+48 (0)33 844 7002
Fax
+48 (0)33 844 7003
Web
http://www.ajcf.pl
E-Mail
info@ajcf.pl
Öffnungszeiten
November bis Februar 9.00 bis 17.00, März bis Oktober 9.00 bis 18.00
An Samstagen und jüdischen Feiertagen geschlossen
Angebot
Bildungsprogramme für Jugendliche und Erwachsene; Lesungen, Konferenzen und Seminare zur jüdischen Geschichte, Kultur, Religion, zu politischen Themen und zum Holocaust.