• Denkmalanlage Drohobytsch
In der ukrainischen Stadt Drohobytsch (ukrainisch: Drogobitsch), gelegen in der Landschaft Galizien, erinnert ein Denkmal an die ermordeten Juden der Stadt. Von 1941 bis 1943 ermordete die SS fast alle jüdischen Einwohner von Drohobytsch.
Bild:Drohobytsch, um 1905, Ansichtskarte, Tomasz Wiśniewski
Drohobytsch, um 1905, Ansichtskarte, Tomasz Wiśniewski

Bild:Drohobytsch, 2004, Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Ilja Kabantschik
Drohobytsch, 2004, Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Ilja Kabantschik
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Drohobytsch (damals Polen) etwa 15.000 Juden, über vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung. Ab 1939 kamen zusätzlich einige hundert jüdische Flüchtlinge aus den deutsch besetzten Gebieten Polens nach Drohobytsch. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, besetzte die Wehrmacht am 30. Juni 1941 Drohobytsch. Bereits am nächsten Tag verübten Ukrainer aus Drohobytsch mit Unterstützung der Wehrmacht ein Pogrom, bei dem sie 300 Juden ermordeten. Das besetzte Gebiet kam unter eine Zivilverwaltung und wurde fortan als »Distrikt Galizien« bezeichnet. Im Juli 1941 begann die deutsche Verwaltung gezielte Maßnahmen gegen Juden zu ergreifen: Sie mussten eine Armbinde mit einem Davidstern tragen, ihre Bewegungsfreiheit war eingeschränkt und sie bekamen weniger Lebensmittel als die übrige Bevölkerung von Drohobytsch zugeteilt. Zur gleichen Zeit wurde ein Judenrat eingerichtet. Am 30. November 1941 ermordeten die Sicherheitspolizei und Schutzpolizeiabteilungen etwa 300 Juden im Wald von Broniza außerhalb der Stadt. Im März und August 1942 deportierten die SS, unterstützt von ukrainischer Hilfspolizei, mindestens 4500 Juden in das Vernichtungslager Belzec. Anfang Oktober 1942 wurde ein Ghetto errichtet: Ungefähr 10.000 Juden mussten dort leben. Die Ghettobewohner mussten Zwangsarbeit in umliegenden Industriebetrieben leisten. Immer wieder wurden Juden aus dem Ghetto in das Vernichtungslager Belzec verschleppt oder vor Ort ermordet. Zwischen dem 23. Mai und dem 10. Juni 1943 lösten Sicherheitspolizei und Schutzpolizei das Ghetto auf: Sie zündeten die Gebäude an, trieben die Juden aus der Stadt und erschossen sie.
Bild:Drohobytsch, um 1905, Ansichtskarte, Tomasz Wiśniewski
Drohobytsch, um 1905, Ansichtskarte, Tomasz Wiśniewski

Bild:Drohobytsch, 2004, Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Ilja Kabantschik
Drohobytsch, 2004, Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Ilja Kabantschik
Sicherheitspolizei und Schutzpolizei ermordeten etwa 10.000 Juden in Drohobytsch. Tausende wurden in das Vernichtungslager Belzec verschleppt. Nur ungefähr 400 Juden aus Drohobytsch erlebten die Befreiung durch die Rote Armee 1944. Die Gesamtzahl der Opfer liegt bei mindestens 15.000.
Bild:Drohobytsch, 1943, Erschießung vor einer Mauer, Yad Vashem
Drohobytsch, 1943, Erschießung vor einer Mauer, Yad Vashem

Bild:Drohobytsch, 2004, Skulptur vor der Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Ilja Kabantschik
Drohobytsch, 2004, Skulptur vor der Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Ilja Kabantschik
An einer der Erschießungsstätten, eine Mauer im Zentrum der Stadt befindet sich eine Denkmalanlage. Das Denkmal besteht aus mehreren Elementen: Eine Skulptur zweier nach oben gestreckter Hände und Steinreliefs in der Mauer, die Gesichter zeigen, während vor der Mauer eine Frauenfigur auf die Opfer hinweist.
Im Stadtbild erinnert nur noch wenig an das ehemalige Zentrum jüdischen Lebens. Eine Ausnahme ist die in den 1860er Jahren erbaute Große Synagoge. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich ein Möbelgeschäft. Nach Jahrzehnten des Verfalls begann 2014 die Restaurierung des Gebäudes, in dem in Zukunft ein jüdisches Kulturzentrum entstehen soll.
Bild:Drohobytsch, 2004, Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Stiftung Denkmal
Drohobytsch, 2004, Erschießungsmauer im Zentrum der Stadt, Stiftung Denkmal

Bild:Drohobytsch, 2015, Die restaurierte Fassade der Großen Synagoge, Bartłomiej Michałowski
Drohobytsch, 2015, Die restaurierte Fassade der Großen Synagoge, Bartłomiej Michałowski
Bild:Drohobytsch, 2004, Die einst prunkvolle Große Synagoge vor der Restaurierung, Stiftung Denkmal
Drohobytsch, 2004, Die einst prunkvolle Große Synagoge vor der Restaurierung, Stiftung Denkmal
Bild:Drohobytsch, 2015, Ansicht der Synagoge während ihrer Restaurierung, Bartłomiej Michałowski
Drohobytsch, 2015, Ansicht der Synagoge während ihrer Restaurierung, Bartłomiej Michałowski
Bild:Drohobytsch, 2015, Ansicht der Synagoge während ihrer Restaurierung, Bartłomiej Michałowski
Drohobytsch, 2015, Ansicht der Synagoge während ihrer Restaurierung, Bartłomiej Michałowski
Bild:Drohobytsch, 2015, Ansicht der Synagoge während ihrer Restaurierung, Bartłomiej Michałowski
Drohobytsch, 2015, Ansicht der Synagoge während ihrer Restaurierung, Bartłomiej Michałowski
Name
Memorjalnyj kompleks u Drogobitschi
Telefon
+38 (0)322 520 301
Öffnungszeiten
Die Denkmalanlage ist jederzeit zugänglich.