• Denkmal für die ermordeten Juden des Bobruisker Ghettos im Dorf Kamenka
Seit 1960 erinnert ein von der jüdischen Gemeinde Bobruisk (weißrussisch Babrujsk) errichtetes Denkmal an die etwa 14.000 Juden, die 1941 und 1942 von deutschen Einsatzgruppen erschossen wurden.
Bild:Bobruisk, vermutlich Juli 1941, Zerstörte Wohnhäuser, Belaruski dzjarshaŭny muzej gistoryi Wjalikaj Ajtschynnaj Wajny
Bobruisk, vermutlich Juli 1941, Zerstörte Wohnhäuser, Belaruski dzjarshaŭny muzej gistoryi Wjalikaj Ajtschynnaj Wajny

Bild:Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
In Bobruisk lebten im Jahr 1939 etwa 26.000 Juden, rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Mit über 30 Synagogen galt die Stadt als bedeutendes Zentrum jüdischer Kultur. Nur wenige Juden waren vor der herannahenden deutschen Armee geflohen.
Am 29. Juni 1941 nahm die deutsche Wehrmacht die Stadt ein. Im August 1941 wurde ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung eingerichtet. Mitte desselben Monats verhafteten Angehörige des SD (Sicherheitsdienst der SS) und des Polizeibataillons 307 etwa 50 jüdische Männer. Sie wurden auf Lastwagen verladen und abtransportiert. Wahrscheinlich wurden sie anschließend von den SD-Leuten erschossen. Die SS-Kavallerie-Brigade ermordete im September 1941 7.000 Juden in der Nähe eines Rollfeldes bei Bobruisk. Ebenfalls im September und Oktober 1941 war ein Teiltrupp des SS-Einsatzkommandos (EK) 8 unter Befehl von Carl Ruhrberg in Bobruisk stationiert. In verschiedenen Aktionen erschossen die Männer des EK 8 insgesamt 2.000 Juden aus Bobruisk und Umgebung. Vom 5. bis 7. November 1941 erschossen wahrscheinlich das Polizeibataillon 316 und das EK 8 etwa 5.800 Juden. In ihrem Bericht für Dezember 1941 erklärte die Einsatzgruppe B Bobruisk für »judenfrei«. Dennoch setzte das EK 8 das Morden in den Jahren 1942/43 fort: Immer wieder wurden Juden aus Arbeitslagern oder kleineren Ghettos aus der Umgebung von Bobruisk gesammelt und erschossen.
Bild:Bobruisk, vermutlich Juli 1941, Zerstörte Wohnhäuser, Belaruski dzjarshaŭny muzej gistoryi Wjalikaj Ajtschynnaj Wajny
Bobruisk, vermutlich Juli 1941, Zerstörte Wohnhäuser, Belaruski dzjarshaŭny muzej gistoryi Wjalikaj Ajtschynnaj Wajny

Bild:Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
Bobruisk, 2004, Das Denkmal für die Opfer der Massenerschießungen, Stiftung Denkmal
Die genaue Zahl der in Bobruisk und Umgebung Ermordeten ist unbekannt. Beim Dorf Kamenka erschossen Angehörige des Einsatzkommandos 8 im Juli 1941 etwa 250 und wahrscheinlich im November 1941 etwa 5.800 Juden. Die Gesamtzahl der ermordeten Juden aus Bobruisk liegt mindestens bei 14.000.
Das Denkmal am Erschießungsort in der Nähe des Dorfes Kamenka ist eins von drei Denkmalen in Bobruisk und Umgebung zur Erinnerung an die ermordeten Juden der Stadt. Bereits 1960 setzte sich Meir Zeliger für den Bau eines Denkmals an der ehemaligen Erschießungsstätte ein. Er selbst hatte vor dem Einmarsch der Wehrmacht aus Bobruisk fliehen können und überlebte den Holocaust. Mit finanzieller Unterstützung der verblieben jüdischen Gemeinde von Bobruisk wurde das Denkmal in Kamenka errichtet. Auf der Tafel am Denkmal steht: »Hier liegen Tausende von Männern, Frauen, Kindern und Kriegsgefangenen erschossen und verbrannt von den deutsch-faschistischen Invasoren während des vaterländischen Krieges von 1941-1945.« Nach Zeligers Tod 1978 kümmerte sich Maria Mints, selbst Überlebende des Bobruisker Ghettos, um die Massengräber und die Denkmäler. Sie setzte sich für den Bau eines weiteren Denkmals in Kamenka ein, das 1988 eingeweiht wurde.
Bild:Bobruisk-Kamenka, 2004, Besucher am Denkmal für die ermordeten Juden Bobruisks bei Kamenka, Jüdische Gemeinde Bobruisk
Bobruisk-Kamenka, 2004, Besucher am Denkmal für die ermordeten Juden Bobruisks bei Kamenka, Jüdische Gemeinde Bobruisk

Name
Memorialny kompleks rastreljannym ewrejam
Telefon
+375 (80)225 121 171
Fax
+375 (80)225 121 171
Öffnungszeiten
Das Denkmal ist jederzeit zugänglich.