• Holländisches Theater
Während des Krieges war das Holländische Theater das einzige jüdische Theater Amsterdams. Von den deutschen Besatzern wurde es 1942 als Sammelpunkt für die späteren Deportationen in Konzentrationslager benutzt.
Bild:Amsterdam, 1942, Vorderfront der »Hollandsche Schouwburg«, NIOD
Amsterdam, 1942, Vorderfront der »Hollandsche Schouwburg«, NIOD

Bild:Amsterdam, 2003, Gebäude der »Hollandsche Schouwburg«, Joods Historisch Museum
Amsterdam, 2003, Gebäude der »Hollandsche Schouwburg«, Joods Historisch Museum
Das Holländische Theater in Amsterdam (niederländisch: »Hollandsche Schouwburg«) wurde 1892 gegründet. In den seit Mai 1940 besetzten Niederlanden griff das Besatzungsregime auch in das kulturelle Leben direkt ein. Als Teil ihrer Strategie, die Juden in der Gesellschaft zu isolieren, verboten sie im September 1941 Juden den Zutritt zum Theater. Im November 1941 wurde das Holländische Theater in »Joodsche Schouwburg« (»Jüdisches Theater«) umbenannt: nur hier durften jüdische Künstler auftreten oder Juden ins Theater gehen.
Als die Besatzungsbehörden Ende 1941 anfingen, die späteren Deportationen vorzubereiten, befahlen sie den meisten niederländischen Juden den Umzug nach Amsterdam. So wuchs die Zahl der jüdischen Einwohner der Stadt 1942 von etwa 80.000 auf 100.000 an.
Ab dem 18. Juli 1942 wurde das Jüdische Theater als Sammelpunkt für die Deportationen der Amsterdamer Juden benutzt. Der Ablauf wurde vom Leiter der »Zentralstelle für jüdische Auswanderung« in den Niederlanden, Ferdinand Aus der Fünten, in Absprache mit dem Referat IV B 4 des Reichssicherheitshauptamtes unter Adolf Eichmann koordiniert. Die Juden, die entweder verhaftet worden waren oder Befehlen gehorchten, sich im Gebäude einzufinden, wurden im Theater registriert und dann ins Durchgangslager Westerbork verschleppt - manche sofort, andere mussten zum Teil tagelang auf einen Transport warten. Oft waren bis zu 1.300 Personen mehrere Tage im Theater zusammengepfercht.
Gegenüber dem Theater lag eine Kinderkrippe für die Kinder der im Theater festgehaltenen Erwachsenen. Die Widerstandsbewegung verhalf etwa 950 jüdischen Kindern von dort zur Flucht.
Bild:Amsterdam, 1942, Vorderfront der »Hollandsche Schouwburg«, NIOD
Amsterdam, 1942, Vorderfront der »Hollandsche Schouwburg«, NIOD

Bild:Amsterdam, 2003, Gebäude der »Hollandsche Schouwburg«, Joods Historisch Museum
Amsterdam, 2003, Gebäude der »Hollandsche Schouwburg«, Joods Historisch Museum
Dem Holländischen Theater kam eine zentrale Rolle bei der Abwicklung der Deportation der Juden aus Amsterdam zu. Sehr viele in Amsterdam lebende Juden wurden hier registriert und von hier ins Durchgangslager Westerbork überstellt. Von den etwa 100.000 Juden, die damals in Amsterdam wohnten, wurden zwischen 60.000 und 80.000 in Vernichtungslager im besetzten Polen deportiert.
Bild:Amsterdam, 1942, Innenhof der »Hollandsche Schouwburg« während der Deportationen, Joods Historisch Museum, L. Nobelen-Riezouw
Amsterdam, 1942, Innenhof der »Hollandsche Schouwburg« während der Deportationen, Joods Historisch Museum, L. Nobelen-Riezouw

Bild:Amsterdam, 2003, Gedenkraum mit Familiennamen der Opfer, Joods Historisch Museum
Amsterdam, 2003, Gedenkraum mit Familiennamen der Opfer, Joods Historisch Museum
Nach dem Krieg widersetzten sich prominente Bürger dem Plan, das Gebäude weiter als Theater zu benutzen. Ein eigens dafür gegründetes Komitee kaufte und übertrug das Haus 1950 in die Hände der Stadt. 1962 könnte das Theater als Gedenkstätte eröffnet werden. Im Theatersaal entstand ein Denkmal an die niederländischen Opfer des Holocausts. 1992 übernahm das Jüdische Historische Museum die Leitung der Gedenkstätte, die 1993 renoviert wurde. Sie wurde dabei um einen Gedenkraum und eine Ausstellung ergänzt. An einer Wand sind die etwa 6.700 Familiennamen der 104.000 aus den Niederlanden deportierten Juden zu sehen.
An der Wand der ehemaligen Kinderkrippe erinnert seit 1982 eine Gedenktafel an die vor der Deportation geretteten jüdischen Kinder.
Bild:Amsterdam, 2003, Eingang der Gedenkstätte, Joods Historisch Museum
Amsterdam, 2003, Eingang der Gedenkstätte, Joods Historisch Museum

Bild:Amsterdam, 2003, Innenhof mit Denkmal, Joods Historisch Museum
Amsterdam, 2003, Innenhof mit Denkmal, Joods Historisch Museum
Name
Hollandsche Schouwburg
Adresse
Plantage Middenlaan 24
1018 DE Amsterdam
Telefon
+31(020)5 310 380
Fax
+31(020)5 310 311
Web
http://www.hollandscheschouwburg.nl
E-Mail
info@hollandscheschouwburg.nl
Öffnungszeiten
Täglich 9.00 bis 16.00
Angebot
Ausstellung über die Judenverfolgung in den Niederlanden, pädagogische Programme für Kinder und Jugendliche, verschiedene jährliche Gedenkfeiern