• August-Gottschalk-Haus Esens. Gedenkstätte zur neueren Geschichte der ostfriesischen Juden
In der ostfriesischen Stadt Esens im Landkreis Wittmund erinnern seit 1990 im »August-Gottschalk-Haus«, dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus, eine Gedenkstätte und eine Dauerausstellung an die jüdische Gemeinde von Esens. Die nationalsozialistische Verwaltung zwang bis 1940 alle Juden aus Esens ihren Heimatort zu verlassen.
Bild:Esens, 2004, August-Gottschalk-Haus, links die Nordwand der 1938 abgebrannten Synagoge, Detlef Kiese
Esens, 2004, August-Gottschalk-Haus, links die Nordwand der 1938 abgebrannten Synagoge, Detlef Kiese
Die ersten Juden siedelten sich Mitte des 17. Jahrhunderts in Esens an. Ab ungefähr 1680 existierte eine Synagoge in Esens, ein jüdischer Friedhof ist seit 1702 nachgewiesen. Im 19. Jahrhundert wuchs die Gemeinde auf über 100 Personen an, die Zahl der Gemeindemitglieder ging aber um 1871 auf etwa neunzig zurück. 1933 lebten noch etwa achtzig Juden in Esens. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erfolgte auch in Esens die Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben: Sie wurden aus Verbänden und Vereinen ausgeschlossen und an wirtschaftlichen Tätigkeiten gehindert. Während der Novemberpogrome 1938 zerstörten SA-Männer am 10. November die Inneneinrichtung der Synagoge und zündeten das Gebäude an. In der Folge verließen viele Juden die Stadt. Im Januar 1940 erfolgte die offizielle Weisung an Juden, Esens bis zum 1. April 1940 zu verlassen. Am 9. März 1940 meldeten sich die letzten Juden bei der Stadtverwaltung ab, wenig später wurde Esens als »judenfrei« erklärt.
Bild:Esens, 2004, August-Gottschalk-Haus, links die Nordwand der 1938 abgebrannten Synagoge, Detlef Kiese
Esens, 2004, August-Gottschalk-Haus, links die Nordwand der 1938 abgebrannten Synagoge, Detlef Kiese
Wie viele Juden aus Esens der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik zum Opfer gefallen sind ist nicht genau bekannt. Mindesten vierzig Esenser Juden ermordete die SS in Ghettos und Vernichtungslagern. Über fünfzig konnten rechtzeitig auswandern und sich auf diese Weise retten.
Bild:Esens, 2004, Das August-Gottschalk-Haus, Detlef Kiese
Esens, 2004, Das August-Gottschalk-Haus, Detlef Kiese
Der Verein »Ökumenischer Arbeitskreis Juden und Christen in Esens e.V.« enthüllte 1988 einen Gedenkstein vor den Resten der 1938 zerstörten Synagoge und in der Nähe des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses. Auf dem Gedenkstein steht:
»Zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger, die zwischen 1933 und 1945 Opfer des nationalsozialistischen Terrors geworden sind. Hier stehen die Reste ihrer Synagoge, die am 10. November 1938 zerstört wurde. Diesen Stein errichteten Bürger der Stadt Esens zur Erinnerung und Mahnung für die Lebenden und kommenden Generationen. 9. November 1988.«
Das ehemalige Gemeindehaus wurde 1990 ebenfalls auf Initiative des Arbeitskreises nach dem Esenser Lehrer, Gemeindevorstand und Stadtrat August Gottschalk (1870-1927) in »August-Gottschalk-Haus« umbenannt und beherbergt seitdem eine Gedenkstätte und eine Dauerausstellung, die die Geschichte der Juden in Ostfriesland dokumentiert.
Name
August-Gottschalk-Haus Esens. Gedenkstätte zur neueren Geschichte der ostfriesischen Juden
Adresse
Burgstr. 8
26427 Esens
Telefon
+49 (0)4971 5232
Web
http://www.august-gottschalk-haus.de/
Öffnungszeiten
März bis Oktober: Dienstag, Donnerstag und Sonntag 15.00 bis 18.00 sowie nach Vereinbarung
Angebot
Führungen, Bibliothek, Archiv