• Gedenkstätte Buchenwald
Das auf dem Ettersberg bei Weimar gelegene Konzentrationslager Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager im Deutschen Reich. Von 1937 bis 1945 inhaftierte die SS in Buchenwald und in seinen zahlreichen Außenlagern hunderttausende Menschen. Anschließend, bis 1950, nutzte der sowjetische Geheimdienst NKWD das Areal als Speziallager Nr. 2.
In der Gedenkstätte Buchenwald erinnern mehrere Ausstellungen und Denkmäler an die Opfer.
Bild:Buchenwald, 1937, Blick auf das im Rohbau fertiggestellte Torgebäude, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
Buchenwald, 1937, Blick auf das im Rohbau fertiggestellte Torgebäude, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Bild:Buchenwald, 2008, Torgebäude mit Uhr, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Katharina Brand
Buchenwald, 2008, Torgebäude mit Uhr, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Katharina Brand
In der Nähe von Weimar mussten Gefangene aus den Konzentrationslagern Lichtenburg und Sachsenhausen das KZ Buchenwald errichten. Die SS eröffnete das Lager im Juli 1937. Es bestand aus dem so genannten »großen« Lager für Häftlinge, die bereits länger in Buchenwald waren, dem 1939 zunächst für polnische Gefangene errichteten Zeltlager und dem 1942 als Quarantänestation errichteten »kleinen« Lager.
Ab 1942 war Buchenwald aufgrund ständig neu ankommender Häftlingstransporte vollkommen überfüllt. Infolge der mangelnden Wasserversorgung, der schlechten sanitären Bedingungen und der hohen Belegungsrate wüteten immer wieder Epidemien. Häftlinge aus Buchenwald mussten in SS-eigenen Betrieben und ab 1942 verstärkt in Rüstungsfirmen Zwangsarbeit leisten. Bis Kriegsende entstanden an mehreren Produktionsstandorten von Rüstungsbetrieben im mitteldeutschen Raum Außenlager, für deren Verwaltung das KZ Buchenwald zuständig war. Ab 1944 wurden fehlende Arbeitskräfte in der deutschen Kriegsproduktion durch tausende Juden sowie Sinti und Roma aus Auschwitz ersetzt. Nach dem Transport nach Buchenwald und nach ihrer Registrierung dort verlieh die SS die Häftlinge an Unternehmen der Rüstungsindustrie.
Die jüdischen Gefangenen wurden im Vergleich zu anderen Häftlingen besonders schlecht versorgt, so dass die Sterberate unter ihnen besonders hoch war.
Ab Januar 1945 wurde Buchenwald zum Ziel für Evakuierungstransporte aus den aufgelösten Lagern im Osten. Mit mehr als 100.000 Lagerinsassen war das Lager in dieser Zeit das größte noch bestehende Konzentrationslager überhaupt.
Anfang April 1945 versuchte die SS Buchenwald zu räumen und schickte 27.000 Häftlinge auf Todesmärsche. Etwa 21.000 Inhaftierte, darunter über 600 Kinder und Jugendliche, blieben im Stammlager zurück. Durch ihren Widerstand gelang es den Häftlingen, die vollständige Evakuierung des Lagers zu verhindern.
Bild:Buchenwald, 1937, Blick auf das im Rohbau fertiggestellte Torgebäude, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
Buchenwald, 1937, Blick auf das im Rohbau fertiggestellte Torgebäude, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Bild:Buchenwald, 2008, Torgebäude mit Uhr, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Katharina Brand
Buchenwald, 2008, Torgebäude mit Uhr, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Katharina Brand
In der ersten Phase seines Bestehens inhaftierte die SS im KZ Buchenwald vor allem politische Gegner des Nationalsozialismus sowie vorbestrafte Kriminelle, Homosexuelle und Zeugen Jehovas, ab 1938 auch Juden. Mit Kriegsbeginn kamen immer mehr Menschen aus den besetzten Ländern Europas in das Lager.
Fast alle im Oktober 1942 im KZ befindlichen Juden deportierte die SS nach Auschwitz.
SS-Ärzte benutzten in Buchenwald Häftlinge für medizinische Versuche. Mitte 1943 richtete die Waffen-SS hier ihre »Abteilung für Fleckfieber- und Virusforschung« ein. Viele starben an den Folgen der Experimente.
Ab 1941 wurde Buchenwald zunehmend zu einem Ort des Massenmords, Exekutionen im Lager und in den umliegenden Wäldern waren häufig. Tausende sowjetische Kriegsgefangene ermordete die SS durch Genickschuss. Insgesamt kamen weit über 50.000 Häftlinge im KZ Buchenwald, seinen Außenlagern und bei den Todesmärschen ums Leben. Allein von Januar bis April 1945 starben etwa 14.000 Häftlinge. Schätzungsweise 243.000 Männer, Frauen und Kinder durchliefen das Hauptlager und seine 136 Außenlager.
Im sowjetischen Speziallager Nr. 2 waren bis 1950 insgesamt mehr als 28.400 Gefangene inhaftiert. In vielen Fällen verhaftete das NKWD Personen ohne juristische Verfahren, die zu Unrecht einer nationalsozialistischen Mittäterschaft beschuldigt wurden. Offiziellen sowjetischen Angaben zufolge starben auf dem Ettersberg mehr als 7.000 Gefangene. 1.500 Inhaftierte wurden vom NKWD in die Sowjetunion verschleppt. Etwa 2.400 Personen übergaben die sowjetischen Behörden bei der Auflösung des Lagers 1950 an die DDR-Justiz.
Bild:Buchenwald, 1944, Häftlingsappell im Konzentrationslager, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
Buchenwald, 1944, Häftlingsappell im Konzentrationslager, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald

Bild:Buchenwald, 2005, Lagertor mit Blick auf die Lagerkommandantur, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Lagertor mit Blick auf die Lagerkommandantur, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Durch die Bilder, die die US-Armee unmittelbar nach der Befreiung des Lagers veröffentlichte, war Buchenwald weltweit zu einem Symbol für die Verbrechen des Nationalsozialismus geworden. Thüringen wurde jedoch Teil der sowjetischen Besatzungszone, und mit der Errichtung des Speziallagers Nr. 2 war Gedenken am ehemaligen Standort des KZ lange nicht möglich.
Für die Ideologen der DDR-Führung stand die Erinnerung an den kommunistischen Widerstand im Zentrum des Gedenkens. Unter diesen Vorzeichen entstand 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. Den Mittelpunkt bildete ein Mahnmal des Bildhauers Fritz Cremer. Es zeigt eine zehnköpfige Gruppe von Häftlingen, die den Widerstandskampf im Lager symbolisiert. Einen besonderen Stellenwert hatte der Kult um den ehemaligen KPD-Führer Ernst Thälmann, der gegen Ende des Krieges im KZ Buchenwald erschossen worden war. Ein differenziertes Gedenken an einzelne Opfergruppen des KZ Buchenwald gab es hingegen nicht.
Das ehemalige Lagergelände wurde zur DDR-Zeit weitgehend eingeebnet: Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Gebäude und die Häftlingsbaracken abgerissen. Erhalten blieben unter anderem das Krematorium und das Torgebäude.
Nach 1990 wurde die Gedenkstätte Buchenwald im Auftrag des thüringischen Wirtschaftsministeriums neu konzipiert. Sämtliche Außenanlagen wurden erneuert. In der ehemaligen Effektenkammer befindet sich seit 1995 das Museum der Gedenkstätte. Ausstellungen behandeln die Geschichte des KZ und der Gedenkstätte, aber auch des sowjetischen Speziallagers Nr. 2.
2007 weihten die Verantwortlichen einen »Gedenkweg Buchenwald-Bahn« ein. Er kennzeichnet die von Häftlingen erbaute Bahnstrecke vom KZ-Gelände nach Weimar.
Die Gedenkstätte wird von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora getragen.
Bild:Buchenwald, 2005, Figurengruppe von Fritz Cremer vor dem Glockenturm, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Figurengruppe von Fritz Cremer vor dem Glockenturm, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen

Bild:Buchenwald, 2008, Denkmal Kleines Lager, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Katharina Brand
Buchenwald, 2008, Denkmal Kleines Lager, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Katharina Brand
Bild:Buchenwald, 2005, Glockenturm, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Glockenturm, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Bild:Buchenwald, 2005, Krematorium, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Krematorium, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Bild:Buchenwald, 2005, Verbrennungsöfen im Krematorium, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Verbrennungsöfen im Krematorium, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Bild:Buchenwald, 2005, Blick in die historische Dauerausstellung zum Konzentrationslager Buchenwald, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Blick in die historische Dauerausstellung zum Konzentrationslager Buchenwald, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Bild:Buchenwald, 2005, Blick auf das Gebäude der historischen Dauerausstellung zum sowjetischen Speziallager Nr. 2, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Blick auf das Gebäude der historischen Dauerausstellung zum sowjetischen Speziallager Nr. 2, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Bild:Buchenwald, 2005, Gräberfeld des Speziallagers Nr. 2, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Buchenwald, 2005, Gräberfeld des Speziallagers Nr. 2, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, Peter Hansen
Name
Gedenkstätte Buchenwald
Adresse
Gedenkstätte Buchenwald
99427 Weimar
Telefon
+49 (0)3643 430 0
Fax
+49 (0)3643 430 100
Web
http://www.buchenwald.de
E-Mail
buchenwald@buchenwald.de
Öffnungszeiten
Museum: November bis März 9.00 bis 16.00, April bis Oktober 10.00 bis 18.00, montags geschlossen
Besichtigung der Außenanlagen täglich
Angebot
Ständige Ausstellungen, Bibliothek, Archiv, pädagogische Angebote, Wanderausstellungen, Gruppenführungen für Schulklassen und Jugendliche in mehreren Sprachen, Tagesprogramme für Gruppen, Jugendbegegnungsstätte, Archiv zum Konzentrationslager, zum Speziallager und zur Geschichte der Gedenkstätte, digitale Sammlung