• Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
Im Landgericht von Dresden wurden während der Zeit des Nationalsozialismus, des sowjetischen Besatzungsregimes und während der SED-Diktatur bis 1956 politisch Verfolgte verurteilt. Die Personen wurden vor Ort inhaftiert und bei Verhängung der Todesstrafe im Innenhof des Gebäudes hingerichtet. Die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden erinnert mit ihrer Ausstellung an die Schicksale der Opfer.
Bild:Dresden, um 1930, Königliches Landgericht am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
Dresden, um 1930, Königliches Landgericht am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden

Bild:Dresden, o.D., Ehemaliges Landgerichtsgebäude am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Udo Baldauf
Dresden, o.D., Ehemaliges Landgerichtsgebäude am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Udo Baldauf
Das seit 1907 bestehende Königlich-Sächsische Landgericht nutzten die Nationalsozialisten ab 1933 als Gerichtsgebäude, Haftanstalt und Hinrichtungsstätte. Sächsische Sondergerichte, der Volksgerichtshof und das Oberlandesgericht Posen führten einen Teil ihrer Prozesse am Münchner Platz durch. Bis etwa 1937 verurteilten die Richter vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Zeugen Jehovas zu mehrjährigen Haftstrafen. Ab dieser Zeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden immer mehr Personen verurteilt, die gegen die nationalsozialistischen Rassengesetze verstießen oder sich regimekritisch äußerten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges erhöhte sich die Zahl der vom Landgericht Dresden verhängten Todesurteile. Bei vielen der an diesem Ort Getöteten handelte es sich um politisch Verfolgte aus dem Protektorat Böhmen und Mähren sowie aus dem Sudetenland. Nachdem sie in den Landes- und Oberlandesgerichten dieser Gebiete verurteilt worden waren, erfolgte die Vollstreckung des Urteils in der Hinrichtungsstätte am Münchner Platz. Bis zu ihrer Zerstörung durch Bombenabwürfe im Februar 1945 starben mehr als 1.300 der zum Tode verurteilten Frauen und Männer durch die Guillotine in einem Innenhof des Gebäudes.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nutzten sowjetische Sicherheitsorgane das Gerichtsgebäude und die Haftanstalt als Untersuchungs- und Durchgangsgefängnis. Sowjetische Militärtribunale verurteilten NSDAP-Mitglieder, Gegner der Stalinisierung und willkürlich Verhaftete zu langen Haftstrafen oder zum Tode. Andere wurden ohne Verurteilung in Speziallager verbracht. Parallel dazu fanden in dem historischen Gerichtsgebäude Prozesse der deutschen Justiz wegen NS-Tötungsverbrechen, später zunehmend gegen Kritiker und Gegner des SED-Regimes statt. Von 1952 bis 1956 war der Ort zentrale Hinrichtungsstätte der DDR-Justiz. Nachweislich 66 Personen wurden in dieser Zeit exekutiert.
Bild:Dresden, um 1930, Königliches Landgericht am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
Dresden, um 1930, Königliches Landgericht am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden

Bild:Dresden, o.D., Ehemaliges Landgerichtsgebäude am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Udo Baldauf
Dresden, o.D., Ehemaliges Landgerichtsgebäude am Münchner Platz, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Udo Baldauf
Zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Februar 1945 starben im Gebäude am Münchner Platz nachweislich 1.328 Männer und Frauen durch die Guillotine. Nach der Zerstörung der Guillotine wurde bis Kriegsende eine unbekannte Zahl von Menschen im Richthof erschossen. Bei etwa zwei Dritteln der zum Tode Verurteilten handelte es sich um tschechische Frauen und Männer. Auch zum Tode verurteilte Deserteure der Deutschen Wehrmacht und Kriegsgegner wurden am Münchner Platz hingerichtet. Unter den Opfern befanden sich - bis zur vollständigen Aberkennung des Anspruchs auf ein gerichtliches Verfahren am 1. Juli 1943 - ebenfalls Menschen jüdischer Herkunft.
Bild:o.O., um 1930, Die im Februar 1945 im Innenhof des Landgerichts hingerichtete Ärztin Margarete Blank, Sächsisches Staatsarchiv Leipzig
o.O., um 1930, Die im Februar 1945 im Innenhof des Landgerichts hingerichtete Ärztin Margarete Blank, Sächsisches Staatsarchiv Leipzig

Ende der fünfziger Jahre erfolgte der Umbau des ehemaligen Landgerichts zu einem Lehrgebäude der Technischen Hochschule Dresden. In dem Teil, in dem sich die Hinrichtungsstätte befand, wurde 1959 eine »Mahn- und Gedenkstätte des antifaschistischen Widerstandskampfes« eingeweiht. Die Ausstellung bezog sich nur auf die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus. 1992 wurde der Münchner-Platz-Komitee e.V. als Trägerverein der Gedenkstätte gegründet. Seit dieser Zeit beschäftigt sich die Forschungs- und Bildungsarbeit der Gedenkstätte auch mit den nach Kriegsende am Münchner Platz erfolgten Verurteilungen und Hinrichtungen. Seit 1994 gehört die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden zur Stiftung Sächsische Gedenkstätten. 1996 wurde die historisch nicht mehr vertretbare Ausstellung geschlossen. Seither sind in den Räumen – neben den Todeszellen und dem Richthof - Wechselausstellungen zu sehen. In Zusammenarbeit mit der TU Dresden plant die Gedenkstätte die Eröffnung einer umfassenden Dauerausstellung zur politischen Strafjustiz während der nationalsozialistischen Diktatur, der sowjetischen Besatzungszeit und der frühen DDR.
Bild:Dresden, 2001, Blick in die Ausstellung »FREMD«, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
Dresden, 2001, Blick in die Ausstellung »FREMD«, Gedenkstätte Münchner Platz Dresden

Name
Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
Adresse
George-Bähr-Straße 7
01069 Dresden
Telefon
+49 (0)351 463 319 90
Fax
+49 (0)351 463 319 91
Web
http://www.stsg.de
E-Mail
gedenkstaette@mailbox.tu-dresden.de
Öffnungszeiten
Montags bis freitags 10.00 bis 16.00
Angebot
Wechselnde Ausstellungen zu zentralen Themen des historischen Ortes, kleinere Wanderausstellungen im Veranstaltungsraum der Gedenkstätte, Führungen, regelmäßige Lesungen und Diskussionen, pädagogische Arbeit mit Schulklassen, Archiv/Bibliothek