• KZ-Gedenkstätte Gusen
1939 errichtete die SS nahe dem oberösterreichischen Gusen ein Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Mauthausen. Die Häftlinge des KZ Gusen leisteten Zwangsarbeit in den nahe gelegenen Granitsteinbrüchen und in der Rüstungsproduktion.
Eine offizielle Gedenkstätte entstand auf Initiative ehemaliger Häftlinge in den 1960er Jahren. 2004 eröffnete ein Besucherzentrum mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des Lagers.
Bild:Gusen, 17. Mai 1945, Das typhusverseuchte Lager Gusen II wird von der US-Armee abgebrannt, USHMM, Charles R. Sandler
Gusen, 17. Mai 1945, Das typhusverseuchte Lager Gusen II wird von der US-Armee abgebrannt, USHMM, Charles R. Sandler

Bild:Gusen, o.D., Das Memorial Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Stefan Matyus
Gusen, o.D., Das Memorial Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Stefan Matyus
Im Dezember 1939 ließ die SS das Lager Gusen als Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen errichten. Etwa 400 Häftlinge stellten das Lager bis Mai 1940 fertig. Die SS-eigene »Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH« setzte daraufhin tausende Häftlinge aus den KZ Mauthausen, Dachau und Sachsenhausen in den Steinbrüchen und Ziegelwerken von Gusen ein. Ursprünglich als »Sommerlager« geplant, wurde Gusen im Herbst 1939 zu einem Dauerlager umgewandelt. 1942 fiel die Entscheidung, wegen des allgemeinen Arbeitskräftemangels Häftlinge aus Mauthausen und den Nebenlagern in die Kriegswirtschaft einzubeziehen. Gusener Häftlinge arbeiteten an dem Ausbau riesiger Stollenanlagen zur Verlagerung der Rüstungsindustrie unter Tage. 1943 übersiedelten die Steyr-Werke nach Gusen, wo sie Gewehre herstellen ließen. 1944 erfolgte dort – geschützt vor den Bombenangriffen der Alliierten - die Produktion des Jagdflugzeugs »Me 109«. Im März 1944 wurde die Errichtung des Lagers Gusen II vorangetrieben, im Dezember 1944 die Errichtung des Lagers Gusen III.
In den Gusener Lagern waren im Januar 1945 insgesamt 24.000 Menschen inhaftiert. Im April des Jahres schickte die SS die meisten jüdischen Gefangenen auf einen Todesmarsch nach Gunskirchen. In den Morgenstunden des 5. Mai 1945 befreite die 3. US-Armee das Lager.
Bild:Gusen, 17. Mai 1945, Das typhusverseuchte Lager Gusen II wird von der US-Armee abgebrannt, USHMM, Charles R. Sandler
Gusen, 17. Mai 1945, Das typhusverseuchte Lager Gusen II wird von der US-Armee abgebrannt, USHMM, Charles R. Sandler

Bild:Gusen, o.D., Das Memorial Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Stefan Matyus
Gusen, o.D., Das Memorial Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Stefan Matyus
1940 setzte die SS vorwiegend polnische KZ-Häftlinge in Gusen ein. 1941 kamen vor allem sowjetische Kriegsgefangene und Anhänger der spanischen Republik nach Gusen, ab 1943 größere Transporte von französischen und italienischen Gefangenen sowie von sowjetischen Zivilisten.
Die SS betrieb in Gusen eine systematische »Vernichtung durch Arbeit«: die schwere körperliche Zwangsarbeit und die Bedingungen im Lager überlebte die Mehrzahl der Häftlinge oft nur kurze Zeit.
Durch den enormen Bedarf an Arbeitskräften verdreifachte sich nach 1942 die Zahl der Lagerinsassen. Am Ausbau der Stollen für die Rüstungsindustrie arbeiteten überwiegend polnische und ungarische Juden. Sie trafen zu Tausenden in Transporten aus Auschwitz in dem neu entstandenen Lager Gusen II ein. Anfang 1945 folgten weitere Transporte mit jüdischen Häftlingen aus den aufgelösten Lagern im Osten. Mit mehr als 26.000 Menschen war Gusen im Februar 1944 völlig überfüllt, 10.000 Häftlinge starben allein in den wenigen Monaten bis zur Befreiung des Lagers Anfang Mai 1945.
Bild:Gusen, 8. Mai 1945, Abtransport von etwa 2.000 Leichen aus den Lagern Gusen I und II, USHMM, US Signal Corps
Gusen, 8. Mai 1945, Abtransport von etwa 2.000 Leichen aus den Lagern Gusen I und II, USHMM, US Signal Corps

Bild:Gusen, 2004, Dauerausstellung im Besucherzentrum Gusen, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Gusen, 2004, Dauerausstellung im Besucherzentrum Gusen, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Sowjetische Besatzungskräfte übernahmen nach 1945 die Lager Gusen und nutzen die Baracken als Truppenunterkünfte. Im November 1947 sprengten sie die Stollenanlagen, die Steinbrüche führten sie als »Granitwerke Gusen« bis 1955 weiter.
An die Geschichte des Lagers und an die Opfer erinnerte lange Zeit nur eine inoffizielle Gedenkstätte, die ehemalige Häftlinge um die Krematoriumsöfen errichtet hatten. Nach Abzug der sowjetischen Truppen plante die für die Lager zuständige Gemeinde Langenstein den Bau einer Wohnhaussiedlung auf dem historischen Gelände. Die Reste der Krematoriumsöfen waren zum Abriss vorgesehen. Um sie zu bewahren, kauften ehemalige italienische Häftlinge das Grundstück und schenkten es der Gemeinde, die 1961 der Errichtung einer Gedenkstätte zustimmte. Verschiedene Häftlingsverbände sorgten für die Finanzierung und den Bau des Memorial Gusen. Die Einweihung fand am 8. Mai 1965 statt.
Seit 1997 erhält und betreut das österreichische Innenministerium die Gedenkstätte. 2004 eröffnete ein Besucherzentrum, das seit 2005 eine Dauerausstellung zur Geschichte des Lagers zeigt.
Vom ehemaligen Lager Gusen I sind außer dem Krematorium noch das Gebäude der SS-Lagerführung und -verwaltung (»Jourhaus«), das zugleich auch Haupteingang des Lagers gewesen war, ein Produktionskomplex (»Steinbrecher«), zwei aus Ziegeln erbaute Blocks und Reste des Appellplatzes, der Bunker und die Stollen in den Hügeln erhalten geblieben. Von den Lagern Gusen II und Gusen III sind keine Überreste mehr vorhanden.
Bild:Gusen, 2005, Besucherzentrum Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Christian Dürr
Gusen, 2005, Besucherzentrum Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Christian Dürr

Bild:Gusen, 2004, Das Memorial Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Christian Dürr
Gusen, 2004, Das Memorial Gusen, BMI/Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Christian Dürr
Bild:Gusen, o.D., Gedenkwand für die Opfer des Konzentrationslagers Gusen, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Gusen, o.D., Gedenkwand für die Opfer des Konzentrationslagers Gusen, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Bild:Gusen, o.D., Erhaltener Kreamtoriumsofen im Inneren der Gedenkstätte Gusen, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Gusen, o.D., Erhaltener Kreamtoriumsofen im Inneren der Gedenkstätte Gusen, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Bild:Gusen, o.D., US-Befreierdenkmal mit dem Kriegsveteranen Vincent Mahler, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Gusen, o.D., US-Befreierdenkmal mit dem Kriegsveteranen Vincent Mahler, KZ-Gedenkstätte Gusen, Martha Gammer
Name
KZ-Gedenkstätte Gusen
Adresse
Georgestraße 6
4222 Langenstein/Oberösterreich
Telefon
+43 (0)7237 631 86
Fax
+43 (0)7237 394 6
Web
http://www.gusen-memorial.at
E-Mail
BMI-IV-7@bmi.gv.at
Öffnungszeiten
Besucherzentrum: 1. April bis 30. September Dienstag bis Freitag 9.00 bis 17.30, Samstag, Sonn- und Feiertag 9.30 bis 17.30,
1. Oktober bis 31. März Samstag, Sonn- und Feiertag 9.00 bis 17.30,
Geschlossen vom 24. Dezember bis 6. Januar
Angebot
Führungen - nach Anmeldung - in mehreren Sprachen, Archiv, Ausstellungen, Filmvorführungen, lokale Initiativen zur Erforschung der Lagergeschichte zusammen mit polnischen Organisationen von Überlebenden