• Erich-Klibansky-Platz / Lern- und Gedenkort Jawne
Seit 1997 erinnert der »Löwenbrunnen« vor dem ehemaligen Standort der jüdischen Schule »Jawne« an 1.100 ermordete jüdische Kinder und Jugendliche aus Köln, aber auch an die durch Erich Klibansky organisierte Rettung von 130 jüdischen Kindern. Zehn Jahre später eröffnete der »Lern- und Gedenkort Jawne« am Erich-Klibansky-Platz.
Bild:Köln, 1939, Erich Klibansky bei der Abfahrt eines der durch ihn organisierten Kindertransporte, Lern- und Gedenkort Jawne
Köln, 1939, Erich Klibansky bei der Abfahrt eines der durch ihn organisierten Kindertransporte, Lern- und Gedenkort Jawne

Bild:Köln, 2016, Löwenbrunnen, Christian Herrmann
Köln, 2016, Löwenbrunnen, Christian Herrmann
Die Geschichte der Juden in Köln reicht bis in die römische Zeit zurück. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde Kölns mit mehr als 8.000 Mitgliedern die fünftgrößte im Deutschen Reich. Damit war Köln gleichzeitig der Mittelpunkt jüdischen Lebens im Rheinland. Die Mehrheit der Juden gehörte der liberalen Glaubensrichtung an.
Die St.-Apern-Straße in der Altstadt war eines der Zentren jüdischen Lebens in Köln. Hier waren viele jüdische Geschäfte, vor allem Antiquitätenhändler, angesiedelt. 1884 wurde hier die Synagoge der orthodoxen Gemeinde »Adass Jeschurun« eingeweiht. Ebenfalls in der St.-Apern-Straße wurde 1919 das erste – und bis heute einzige – jüdische Gymnasium Kölns, die Jawne eröffnet. 1929 trat Erich Klibansky (1900–1942) seine Stelle als Direktor an. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 149 Schüler die Jawne. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden jüdische Schüler immer mehr aus öffentlichen Schulen herausgedrängt, so dass viele von ihnen auf die Jawne wechselten. 1937 erreichte die Schülerzahl mit 423 ihre Höchstzahl. Aufgrund des immer größeren Drucks auf Juden, Deutschland zu verlassen, wollte Klibansky seine Schüler auf die Emigration vorbereiten und setzte den Schwerpunkt der Schule auf den Unterricht von Sprachen. Nach den Novemberpogromen von 1938 fasste Klibansky den Entschluss, die gesamte Schule nach England zu verlegen. Im Jahr darauf organisierte er die Ausreise von 130 Schülern mit »Kindertransporten« dorthin, die er auch persönlich begleitete.
1942 wurde die Jawne endgültig geschlossen. Nur wenige Wochen später wurden Erich Klibansky mit seiner Frau und seinen drei Söhnen sowie rund 100 Jawne-Schülern nach Minsk deportiert. Insgesamt verschleppte die SS mit dem Transport »Da 219« am 20. Juli 1942 1.164 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus Köln und Umgebung. Nach ihrer Ankunft vier Tage später wurden sie in Lastkraftwagen zur Vernichtungsstätte Malyj Trostenez gebracht und dort erschossen oder in Gaswagen erstickt.
Bild:Köln, 1939, Erich Klibansky bei der Abfahrt eines der durch ihn organisierten Kindertransporte, Lern- und Gedenkort Jawne
Köln, 1939, Erich Klibansky bei der Abfahrt eines der durch ihn organisierten Kindertransporte, Lern- und Gedenkort Jawne

Bild:Köln, 2016, Löwenbrunnen, Christian Herrmann
Köln, 2016, Löwenbrunnen, Christian Herrmann
1.164 Juden aus Köln und Umgebung wurden am 20. Juli 1942 vom Bahnhof Köln-Deutz aus nach Minsk deportiert und dort ermordet, darunter etwa 100 Schüler der Jawne.
Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten etwa 11.000 von 19.500 Kölner Juden, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Köln lebten.
Bild:Köln, 1939, Schüler der Jawne bei der Abfaht nach England, Lern- und Gedenkort Jawne
Köln, 1939, Schüler der Jawne bei der Abfaht nach England, Lern- und Gedenkort Jawne

Bild:Köln, 2016, Tafel an der Seite des Löwenbrunnens mit Namen ermordeter Kölner Juden, Christian Herrmann
Köln, 2016, Tafel an der Seite des Löwenbrunnens mit Namen ermordeter Kölner Juden, Christian Herrmann
Wie große Teile der Kölner Altstadt wurde auch das Gebäude der Jawne im Krieg zerstört. Die orthodoxe Synagoge wurde stark beschädigt und 1958 abgetragen. An ihrer Stelle entstanden Neubauten. Lange erinnerte nichts mehr an das einst rege jüdische Leben in der St.-Apern-Straße.
1990 erhielt ein kleiner Platz am ehemaligen Standort der Jawne den Namen Erich Klibanskys. 1997 wurde auf dem Platz der Löwenbrunnen eingeweiht. Er wurde durch einen der von Klibansky geretteten Kinder, Hermann Gurfinkel (1926–2004) gestaltet. An den Seiten des Brunnens sind die Namen von mehr als 1.000 ermordeten Kölner Juden eingraviert. Gleichzeitig erinnert das Denkmal auch an die 130 geretteten Kinder.
2007 wurde im Gebäude hinter dem Löwenbrunnen der Lern- und Gedenkort Jawne eröffnet. Er geht auf eine Initiative des Ehepaars Dieter (1925–1995) und Irene Corbach (1937–2005), die sich jahrzehntelang für die Erforschung jüdischer Spuren in Köln engagierten. Der Gedenkort, der vom Kölner EL-DE-Haus unterstützt wird, zeigt die Lebensumstände der ehemaligen Jawne-Schüler und ist gleichzeitig ein Ort der Erinnerung an die Opfer des Holocaust. Der Gedenkort unterhält Kontakte zu ehemaligen Jawne-Schülern in aller Welt.
Bild:Köln, 2016, Straßenschild am Klibansky-Platz, Christian Herrmann
Köln, 2016, Straßenschild am Klibansky-Platz, Christian Herrmann

Bild:Köln, 2016, Der »Löwe von Juda« am Löwenbrunnen, Christian Herrmann
Köln, 2016, Der »Löwe von Juda« am Löwenbrunnen, Christian Herrmann
Name
Erich-Klibansky-Platz / Lern- und Gedenkort Jawne
Adresse
Erich-Klibansky-Platz
50667 Köln
Telefon
+49 (0)175 22 11 620
Web
http://http://www.jawne.de
E-Mail
info@jawne.de
Öffnungszeiten
Dienstag und Donnerstag 11.00 bis 14.00
Sonntag 12.00 bis 16.00
sowie nach Vereinbarung
Angebot
Führungen sind nach Voranmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. An jedem ersten Sonntag im Monat findet um 12.00 Uhr eine öffentliche Führung »Rund um den Schulhof der Jawne« statt. (Eintritt frei)