• Denkmal für die Ermordeten in Piasnitz
In einem Waldstück nahe dem Dorf Piasnitz (polnisch: Piaśnica) in der Nähe von Danzig (polnisch: Gdańsk) erinnert ein Denkmal an die etwa 10.000 bis 12.000 Menschen, die dort zwischen 1939 und 1940 von SS-Einheiten erschossen wurden.
Bild:Piasnitz, 2011, Grabanlage für die Opfer der Massaker, Jakub Raciborski
Piasnitz, 2011, Grabanlage für die Opfer der Massaker, Jakub Raciborski
Das Dorf Piasnitz liegt unweit der Stadt Danzig. Nach dem deutschen Angriff auf Polen im September 1939 wurde Pommern, das vor dem Ersten Weltkrieg zum Deutschen Reich gehörte, wieder an das Reich angegliedert. Bereits im Herbst begannen Einheiten der SS und der volksdeutsche »Selbstschutz« vor allem gegen die gebildete polnische Oberschicht und Angehörige der kaschubischen Minderheit vorzugehen. Ihr Ziel war es, einen möglichen polnischen Widerstand bereits im Keim zu ersticken. Die Kaschuben, eine slawische Minderheit, die sich weder als Deutsche noch als Polen sahen, wurden trotz eines positiven »Rassengutachtens« zur Zielscheibe der örtlichen SS. Etwa 2.000 Angehörige der Oberschicht aus der Umgebung von Piasnitz, unter ihnen auch katholische Priester, polnische Soldaten und einige Juden, wurden von Angehörigen der SS und vom Selbstschutz erschossen. Im November und Dezember 1939 wurden mindestens 1.200 Patienten aus psychiatrischen Anstalten in Westpommern nach Piasnitz gebracht und dort im Wald ermordet. Doch es gab noch weitere Morde in jenem Wald: Die SS verschleppte ab 1939 ebenfalls tausende deutsche Staatsbürger polnischer und tschechischer Herkunft sowie politische Gegner des Regimes nach Piasnitz, die an der Hinrichtungsstätte im Wald erschossen wurden.
Als sich die Rote Armee im August 1944 näherte, zwang die SS etwa 30 Häftlinge des KZ Stutthof dazu, die Massengräber im Wald auszuheben und die Leichen zu verbrennen. Nach etwa sieben Wochen härtester Arbeit erschossen SS-Leute auch diese Häftlinge. Sie waren die letzten Opfer in Piasnitz.
Bild:Piasnitz, 2011, Grabanlage für die Opfer der Massaker, Jakub Raciborski
Piasnitz, 2011, Grabanlage für die Opfer der Massaker, Jakub Raciborski
Insgesamt wurden zwischen 10.000 und 13.000 Menschen im Wald bei Piasnitz ermordet. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht mehr feststellbar, da die SS versuchte ihre Verbrechen zu vertuschen. Die größte Opfergruppe bildeten politische Gegner der Nationalsozialisten und deutsche Staatsangehörige, die polnischen oder tschechischen Wurzeln hatten. Unter den Opfern von Piasnitz waren auch etwa 400 Kinder: Die SS erschoss ganze Familien, die aus dem Reich hierher verschleppt wurden, insgesamt 8.000 bis 10.000 Menschen. Auch die Zahl der in Piasnitz erschossenen Psychiatriepatienten kann nur geschätzt werden: Etwa 1.200 Namen sind bekannt, die tatsächliche Zahl der Opfer könnte noch höher liegen. Die ersten Opfer in Piasnitz waren jedoch Polen und Kaschuben aus der Region. Es waren vor allem Menschen aus der gebildeten Oberschicht, darunter viele Geistliche und Beamte.
Bild:Piasnitz, 2011, Gedenktafel, Pawelko111
Piasnitz, 2011, Gedenktafel, Pawelko111

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehören Piasnitz und Umgebung wieder zu Polen. 1946 wurden die etwa 30 Massengräber freigelegt und die noch verbliebenen Leichen exhumiert. In der Folge wurden 26 durchnummerierte Ehrengräber angelegt. Die Verbrechen der SS und des Selbstschutzes gerieten nach dem Krieg dennoch sowohl in Polen als auch in Deutschland in Vergessenheit, obwohl es sich bei den Massakern von Piasnitz um das erste Massenverbrechen der Nationalsozialisten im besetzten Europa handelte. Die kaschubische Minderheit errichtete zwar 1955 ein Denkmal, jedoch ohne offizielle Genehmigung der polnischen Behörden. Die Veröffentlichung von Nachforschungen zu den Morden im Wald wurde noch in den 1970er Jahren von der polnischen Staatssicherheit behindert. Dies hatte vor allem damit zu tun, dass die Mehrzahl der Opfer nicht Polen, sondern Deutsche und Kaschuben waren, aber auch damit, dass die in Piasnitz ermordeten polnischen Opfer zum großen Teil nicht aus der Arbeiterklasse stammten, die nach offizieller kommunistischer Lesart die größten Opfer im Kampf gegen die Besatzer gebracht haben sollte.
Mittlerweile wird in Polen der Opfer von Piasnitz gebührend gedacht. 2004 wurde eine neue Gedenktafel bei der Anlage angebracht, 2010 eine Kapelle eingeweiht.

Bild:Piasnitz, 2011, Kappelle für die Opfer im Wald, Pawelko111
Piasnitz, 2011, Kappelle für die Opfer im Wald, Pawelko111

Bild:Piasnitz, 2011, Grabanlage für die Opfer der Massaker, Jakub Raciborski
Piasnitz, 2011, Grabanlage für die Opfer der Massaker, Jakub Raciborski
Name
Pomnik Ofiar Piaśnicy
Öffnungszeiten
Die Gedenkanlage ist jederzeit zugänglich. Sie befindet sich etwa 10 km nördlich von Wejherowo (deutsch: Neustadt in Westpreußen) bei der Landstraße 218.