• Jüdischer Friedhof Kawala
Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Kawala bulgarisch besetzt. Unter dem Druck des Berliner Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) stimmte Bulgarien der Deportation aller Juden aus den besetzten griechischen Gebieten zu. Die meisten wurden im Vernichtungslager Treblinka ermordet. An die einstige jüdische Gemeinde in diesem Gebiet erinnert ein Denkmal auf dem jüdischen Friedhof in Kawala.
Bild:Kawala, o.D., Der Hafen Kawalas vor dem Krieg, Koinotiko Moyseio Kabalas
Kawala, o.D., Der Hafen Kawalas vor dem Krieg, Koinotiko Moyseio Kabalas

Bild:Kawala, 2009, Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, Arie Darzi
Kawala, 2009, Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, Arie Darzi
Die Hafenstadt Kawala liegt am ägäischen Meer im Westteil der historischen Region Thrakien, die sich auch auf türkisches und bulgarisches Gebiet erstreckt. Schon in der Zwischenkriegszeit erhob Bulgarien Ansprüche auf das Gebiet, vor allem um Zugang zum Ägäischen Meer zu erhalten. 1941 unterstütze Bulgarien den deutsch-italienischen Aufmarsch gegen Griechenland und annektierte anschließend Westthrakien. Die neue bulgarische Verwaltung versuchte das neue Gebiet so schnell wie möglich mit dem Kernland zu verschmelzen. Ein Gesetz forderte die Einwohner des Gebiets auf, bis zum April 1943 die bulgarische Staatsbürgerschaft anzunehmen oder anderenfalls das Land zu verlassen. Daraufhin flohen viele Griechen oder wurden gewaltsam vertrieben. Den dort lebenden Juden wurde jedoch die Möglichkeit grundsätzlich verwehrt, die bulgarische Staatsangehörigkeit anzunehmen. So war ihre Lage bereits sehr unsicher, noch bevor Anfang des Jahres 1943 das Berliner Reichsicherheitshauptamt (RSHA) Bulgarien aufforderte, die im Land lebenden Juden zu deportieren. Nach Interventionen und Protesten verschonte die Regierung zwar die Juden im bulgarischen Kernland, doch die Juden aus den besetzten Gebieten lieferte sie an die Deutschen aus.
In Kawala lebte die größte jüdische Gemeinde Thrakiens mit etwa 1.650 Mitgliedern. Anfang März 1943 verhaftete die bulgarische Polizei etwa 1.500 von ihnen und beschlagnahmte ihr Eigentum. Unter bulgarischer Bewachung wurden die Juden in Fußmärschen und Zügen quer durch Bulgarien in den Donauhafen Lom verschleppt. Hier wurden etwa 4.200 Juden aus ganz Thrakien unter Aufsicht von Mitarbeitern des RSHA auf Schiffe gezwängt und nach Wien gebracht. Von dort deportierte sie die SS in Güterwaggons in das Vernichtungslager Treblinka bei Warschau.
Bild:Kawala, o.D., Der Hafen Kawalas vor dem Krieg, Koinotiko Moyseio Kabalas
Kawala, o.D., Der Hafen Kawalas vor dem Krieg, Koinotiko Moyseio Kabalas

Bild:Kawala, 2009, Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, Arie Darzi
Kawala, 2009, Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, Arie Darzi
Etwa 4.200 Juden aus dem bulgarisch annektierten Teil des griechischen Thrakiens ermordete die SS im Vernichtungslager Treblinka. Allein 1.500 von ihnen stammten aus Kawala.
Bild:Lom, März 1943, Juden aus Thrakien und Mazedonien an Bord des Bootes »Karadorde«, mit dem sie donauaufwärts deportiert werden, Yad Vashem
Lom, März 1943, Juden aus Thrakien und Mazedonien an Bord des Bootes »Karadorde«, mit dem sie donauaufwärts deportiert werden, Yad Vashem

Bild:Kawala, 2009, Jüdischer Friedhof, Stiftung Denkmal, Uwe Seemann
Kawala, 2009, Jüdischer Friedhof, Stiftung Denkmal, Uwe Seemann
Lediglich 42 Juden lebten in den ersten Jahren nach dem Krieg in Kawala. Heute gibt es dort keine jüdische Gemeinde mehr. Die einzige Erinnerung daran, dass es in der Stadt einst jüdisches Leben gab, ist der noch vorhandene jüdische Friedhof. Auf dem Friedhof ließ die jüdische Gemeinde 1954 ein schlichtes Denkmal in Erinnerung an die ermordeten Juden von Kawala errichten.
Bild:Kawala, 2009, Auf dem alten jüdischen Friedhof, Stiftung Denkmal, Uwe Seemann
Kawala, 2009, Auf dem alten jüdischen Friedhof, Stiftung Denkmal, Uwe Seemann

Bild:Kawala, 2009, Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, Arie Darzi
Kawala, 2009, Denkmal auf dem jüdischen Friedhof, Arie Darzi
Name
Evraïkó Nekrotafeío Kaválas
Adresse
Amerikanikou Erythrou Stavrou
65201 Kawala