• Museum der jüdischen Geschichte und Kultur in Weißrussland
Das 2002 eröffnete Museum informiert über jüdische Geschichte und Kultur auf dem Gebiet des heutigen Weißrusslands.
Bild:Minsk, o.D., Die Choralsynagoge, Beth Hatefutsoth Tel Aviv
Minsk, o.D., Die Choralsynagoge, Beth Hatefutsoth Tel Aviv

Bild:Minsk, 2009, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Minsk, 2009, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Die ersten Juden siedelten sich im 14. Jahrhundert im heutigen Weißrussland an. Als sich das Russische Reich am Ende des 18. Jahrhunderts ausdehnte, fiel dieses Gebiet an den Zaren. Der westliche Teil des Reiches wurde zum Siedlungsgebiet für Juden, ausschließlich dort durften sie leben. Der erstarkende Antisemitismus und Pogrome drängten Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts viele Juden zur Auswanderung. Die Revolutionswirren 1917 und der darauf folgende Bürgerkrieg trafen die Juden besonders hart, da sie oft zwischen rivalisierende Gruppen gerieten. Später gehörte ein Teil dieses Gebiets Polen, ein anderes der Sowjetunion. In Polen genossen die Juden alle Bürgerrechte, ab 1935 gab es jedoch neue, antijüdische Gesetze. In der UdSSR hingegen waren Juden zwar gleichgestellt, die Ausübung ihrer Religion wurde im atheistischen Staat jedoch unterdrückt. Als die UdSSR 1939 gemäß des Stalin-Hitler-Pakts den östlichen Teil Polens annektierte, flohen zwar viele Juden aus dem von Deutschen besetzten Gebiet hierher, viele wurden jedoch vom stalinistischen Regime als Kapitalisten, Zionisten oder Gläubige verfolgt. Am Tag des deutschen Überfalls 1941 befanden sich in Weißrussland etwa 405.000 Juden. Der rasante Vorstoß der Wehrmacht ließ ihnen keine Chance zur Flucht. Bereits in den ersten Wochen ermordeten die Einsatzgruppen bis zu 40 Prozent der Juden in einigen Regionen, manchmal mit Hilfe der örtlichen Bevölkerung. Weitere solche »Aktionen« sowie die Errichtung von Ghettos und die darauf folgenden Deportation besiegelten die Vernichtung des weißrussischen Judentums. Nach deutschen Angaben gab es Ende 1942 nur noch 30.000 Juden im Land. Viele von ihnen versteckten sich oder waren in der Partisanenbewegung aktiv. Nach dem Krieg, nunmehr als Bürger der UdSSR, litten Juden erneut unter Antisemitismus, viele wanderten aus. Erst nach dem Ende der UdSSR konnte sich die Gemeinde neu aufstellen und ihrer Toten öffentlich gedenken.
Bild:Minsk, o.D., Die Choralsynagoge, Beth Hatefutsoth Tel Aviv
Minsk, o.D., Die Choralsynagoge, Beth Hatefutsoth Tel Aviv

Bild:Minsk, 2009, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Minsk, 2009, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Einen besonderen Schwerpunkt der Museumsarbeit bildet das Schicksal der Juden Weißrusslands zur Zeit des Holocausts. Mindestens 60.000 Juden aus Minsk, und schätzungsweise 230.000 weißrussische Juden insgesamt wurden ermordet, die meisten bei Massenerschießungen.
Bild:Minsk, o.D., Juden im Ghetto Minsk, Yad Vashem
Minsk, o.D., Juden im Ghetto Minsk, Yad Vashem

Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR konnte des Massenmords an den Juden öffentlich gedacht werden. Die meisten Initiativen dazu stammen von Einzelpersonen und privaten Organisationen. Das Jüdische Museum Minsk wurde 2002 von der weißrussischen Historikerin Irina Gerassimowa gegründet und befindet sich im Gebäude der jüdischen Gemeinde. Es wird von dem »American Jewish Joint Distribution Committee« (kurz: JDC oder »Joint«) und der jüdischen Gemeinde Minsk unterstützt. Neben der Geschichte der Juden in Weißrussland zeigt das Museum regelmäßig Sonderaustellungen zu Themen wie jüdische Partisanen während des Krieges, das jüdische Theater oder traditionelle Synagogenarchitektur.
Bild:Minsk, 2009, Eingang zum Museum im Gebäude der Jüdischen Gemeinde, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Minsk, 2009, Eingang zum Museum im Gebäude der Jüdischen Gemeinde, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin

Bild:Minsk, 2009, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Minsk, 2009, Blick in die Ausstellung, Stiftung Denkmal, Adrien Beauduin
Name
Muzej Istorii i Kultury Ewreew Belarusi
Adresse
28, Ul. W. Choruschej
220100 Minsk
Telefon
(+375) 17-286 796 1
Web
http://www.beljews.org/articles121.html
E-Mail
jewish_museum@mail.ru
Angebot
Dauerausstellung, Sonderausstellungen zu Aspekten jüdischen Lebens in Weißrussland