• Gedenkstätte »Alte Pathologie« Wehnen
Im Ortsteil Wehnen, im Oldenburger Land, erinnert seit 2004 die Gedenkstätte »Alte Pathologie« an die Tötung von mindestens 1.500 Patienten in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen zwischen 1936 und 1945. Die Gedenkstätte entstand auf Initiative von Angehörigen der Opfer.
Bild:Bad Zwischenahn, etwa 1910, Blick auf die Krankenpavillons der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, aus: J. Bresler: Deutsche Heil- und Pflegeanstalten in Wort und Bild,  Halle a.S. 1912
Bad Zwischenahn, etwa 1910, Blick auf die Krankenpavillons der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, aus: J. Bresler: Deutsche Heil- und Pflegeanstalten in Wort und Bild, Halle a.S. 1912

Bild:Bad Zwischenahn, 2007, Außenansicht der Gedenkstätte Alte Pathologie Wehnen, Hedwig Thelen
Bad Zwischenahn, 2007, Außenansicht der Gedenkstätte Alte Pathologie Wehnen, Hedwig Thelen
Bereits 1936 betrieb die Leitung der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen Einsparungen bei der Pflege und Versorgung ihrer Patienten mit Nahrungsmitteln. Durch diese gewollte Verknappung von Nahrung und die gezielte Vernachlässigung der psychisch kranken Patienten starben in Wehnen viel mehr Menschen als in vergleichbaren Einrichtungen. Die Sterblichkeitsrate unter den Patienten verdoppelte sich 1936. Damit begann vermutlich 1936 in Wehnen ein Massensterben von Psychiatrie-Patienten, drei Jahre bevor Adolf Hitler den Befehl zum nationalsozialistischen »Euthanasie«-programm, der »Aktion T4« gab. In den folgenden Jahren verschärfte sich die Situation in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen: Die Klinik wurde weiter mit Patienten überbelegt, Patienten aus anderen Einrichtungen nach Wehnen verlegt. Während der »Aktion T4« gab es keine Transporte von Kranken aus Wehnen in die zentralen Tötungsanstalten, da das Personal der Heil- und Pflegeanstalt seine Patienten selbst »niederführte«, also durch Nahrungsentzug und medizinische Vernachlässigung sterben ließ. Ebenfalls breiteten sich durch die mangelnde hygienische Versorgung viele Krankheiten aus. Bis 1945 stieg der Anteil der Verstorbenen auf das sechsfache gegenüber einer normalen Sterberate. Der Friedhof der Anstalt musste wegen der hohen Zahl an Toten mehrfach erweitert werden.
Bild:Bad Zwischenahn, etwa 1910, Blick auf die Krankenpavillons der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, aus: J. Bresler: Deutsche Heil- und Pflegeanstalten in Wort und Bild,  Halle a.S. 1912
Bad Zwischenahn, etwa 1910, Blick auf die Krankenpavillons der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, aus: J. Bresler: Deutsche Heil- und Pflegeanstalten in Wort und Bild, Halle a.S. 1912

Bild:Bad Zwischenahn, 2007, Außenansicht der Gedenkstätte Alte Pathologie Wehnen, Hedwig Thelen
Bad Zwischenahn, 2007, Außenansicht der Gedenkstätte Alte Pathologie Wehnen, Hedwig Thelen
Wie viele Menschen die Krankenhausleitung in der Heil- und Pflegeanstalt tatsächlich durch Vernachlässigung und Nahrungsentzug ermordete, ist nur schwer zu beurteilen, da es in der Klinik auch normale Todesfälle gab. Forscher gehen davon aus, dass mindestens 1.500 Patienten der gezielten Vernachlässigung zum Opfer gefallen sind.
Bild:Bad Zwischenahn, 2009, Gedenkstein für eines der Opfer auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof, Hedwig Thelen
Bad Zwischenahn, 2009, Gedenkstein für eines der Opfer auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof, Hedwig Thelen

Bild:Bad Zwischenahn, 2009, Bildergalerie aus dem Projekt »Patientengeschichten«, Hedwig Thelen
Bad Zwischenahn, 2009, Bildergalerie aus dem Projekt »Patientengeschichten«, Hedwig Thelen
1998 formierte sich eine Gruppe von Angehörigen von Opfern in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen, aus ihr ging 2003 der Verein »Gedenkkreis Wehnen e.V.« hervor. Ein Mahnmal für die Opfer der Krankenmorde wurde 2001 auf dem Gelände der heutigen Karl-Jaspers-Klinik errichtet. Der Verein Gedenkkreis Wehnen eröffnete 2004 die Gedenkstätte »Alte Pathologie« in der ehemaligen Leichenhalle der damaligen Heil- und Pflegeanstalt, in der einige Opfer nach ihrem Hungertod obduziert wurden. In der Gedenkstätte ist eine kleine Ausstellung zum Thema nationalsozialistische Gesundheitspolitik und Krankenmord im Land Oldenburg zu sehen. Einige der Opfergeschichten wurden in kleinen roten Büchern festgehalten. Eine Erinnerungsstätte auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof, dem Ofener Friedhof, wurde 2008 errichtet. Dort befindet sich ein Gedenkstein, sowie über 800 kleinere Steine, die an dort begrabene Patienten erinnern.
Bild:Bad Zwischenahn, 2007, Mahnmal für die Opfer der »NS-Euthanasie« auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik, Hedwig Thelen
Bad Zwischenahn, 2007, Mahnmal für die Opfer der »NS-Euthanasie« auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik, Hedwig Thelen

Bild:Bad Zwischenahn, 2009, Erinnerungsstätte auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof, Hedwig Thelen
Bad Zwischenahn, 2009, Erinnerungsstätte auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof, Hedwig Thelen
Name
Gedenkstätte »Alte Pathologie« Wehnen
Adresse
Hermann-Ehlers-Straße 7
26160 Bad Zwischenahn
Telefon
(0441) 961 53 96
Web
http://www.gedenkkreis.de
E-Mail
info@gedenkkreis.de
Öffnungszeiten
Sonntag: 13.00 bis 16.00
Gruppenführungen auch nach Absprache
Angebot
Gruppenführungen, Bibliothek