• Jüdisches Denkmal Wysztyten
Im südwestlitauischen Städtchen Wysztyten (litauisch: Vyštytis, polnisch: Wysztyniec) erinnert ein Stein in einer kleinen Gedenkanlage an die ausgelöschte jüdische Gemeinde, an die etwa 220 jüdischen Kinder, Frauen und Männer sowie andere Zivilisten, die im Sommer 1941 von litauischen Freischärlern erschossen wurden.
Bild:Wysztyten, um 1900, Historische Ansichtskarte, public domain
Wysztyten, um 1900, Historische Ansichtskarte, public domain

Bild:Wysztyten, 2005, Gedenkstein für die ermordeten Juden, Howard Sandys
Wysztyten, 2005, Gedenkstein für die ermordeten Juden, Howard Sandys
Wysztyten war ein kleines jüdisch-litauisches Schtetl direkt an der Grenze zur deutschen Provinz Ostpreußen. Juden siedelten hier seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 1795 kam Litauen zum Russischen Reich, die Gegend um Wysztyten zwanzig Jahre später. Diese Landschaft – die Suwalkija – war Teil des sogenannten Ansiedlungsrayons, auf den zwischen Ende des 18. und Anfang des 20. Jahrhunderts das Wohn- und Arbeitsrecht der jüdischen Bevölkerung im russischen Westen beschränkt war. Viele Wysztyter Juden wanderten nach Preußen, später auch nach Palästina, Südafrika und Amerika aus, andere zogen aus dem Innern Russlands dorthin. Vor dem Ersten Weltkrieg waren etwa 600 der knapp 2.600 Einwohner des Ortes Juden. Nach 1918 gehörte er zur unabhängigen Republik Litauen, die 1940 von der Sowjetunion besetzt wurde. Ende Juni 1941 eroberte die deutsche Wehrmacht dieses Gebiet. Zu dieser Zeit lebten in Wysztyten etwa 1.000 Einwohner. In zwei »Aktionen« erschossen litauische SS-Freiwillige am 14. Juli und am 9. August 1941 über 220 Juden sowie andere Zivilisten und löschten so die jüdische Gemeinde aus. Um Munition zu sparen, sollen die Kinder getötet worden sein, indem ihre Schädel gegen Bäume geschlagen wurden.
Bild:Wysztyten, um 1900, Historische Ansichtskarte, public domain
Wysztyten, um 1900, Historische Ansichtskarte, public domain

Bild:Wysztyten, 2005, Gedenkstein für die ermordeten Juden, Howard Sandys
Wysztyten, 2005, Gedenkstein für die ermordeten Juden, Howard Sandys
Litauische SS-Freiwillige erschossen am 14. Juli und am 9. August 1941 222 jüdische Kinder, Frauen und Männer, sowjetische Aktivisten und Komsomolzen aus Wysztyten und umliegenden Dörfern am Ort.
Bild:Wysztyten, o.D., Innenraum der ehemaligen Synagoge, Yad Vashem
Wysztyten, o.D., Innenraum der ehemaligen Synagoge, Yad Vashem

Nach 1944 wurde Litauen erneut zwangsweise Teil der Sowjetunion. Bereits 1947 wurde am Ort der Erschießung vom 14. Juli 1941, als etwa 70 Juden und andere Zivilisten aus Wysztyten und umliegenden Dörfern erschossen wurden, ein Stein errichtet. Mitte der 1960er Jahre ließen die Behörden die Gebeine von etwa 150 jüdischen Frauen und Kindern, die am 9. August 1941 600 Meter weiter ermordet worden waren, in dieses Massengrab umbetten. Dass die Opfer mehrheitlich Juden waren, fand keine Erwähnung. Erst nach 1990/91 wurde folgende Inschrift auf einem Grabstein ergänzt: »An diesem Platz liegen die Überreste jüdischer Kinder, Frauen und Männer aus Wysztyten, die von Nazihenkern und ihren lokalen Helfern am 9. Juli 1941 brutal ermordet wurden. Die Überreste der Kinder und Frauen wurden 1965 hierher überführt.«
Heute liegt Wysztyten unmittelbar am Grenzzaun zum Königsberger Gebiet der Russischen Föderation. Jüdisches Leben entwickelte sich in Wysztyten, wie fast überall im Land, nicht wieder. Lediglich die als Schuppen genutzte Ruine der Synagoge und der Jüdische Friedhof zeugen von dieser vernichteten Welt.
Bild:Wysztyten, 2005, Denkmalanlage von 1947, Howard Sandys
Wysztyten, 2005, Denkmalanlage von 1947, Howard Sandys

Bild:Wysztyten, 2009, Als Schuppen benutzte Ruine der Synagoge, Stiftung Denkmal
Wysztyten, 2009, Als Schuppen benutzte Ruine der Synagoge, Stiftung Denkmal
Name
Vištyčio žydų paminklas
Adresse
Taikos gatvé
70037 Vištytis