• Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers in Sobibor
Im Vernichtungslager Sobibor (polnisch: Sobibór) ermordete die SS Hunderttausende Juden, vor allem aus Polen. Seit 1965 gibt es ein Denkmal am historischen Ort, das 1993 um ein Museum erweitert wurde.
Bild:Sobibor, o.D., Bahnhofsgelände des ehemaligen Vernichtungslagers, Ronnie Golz
Sobibor, o.D., Bahnhofsgelände des ehemaligen Vernichtungslagers, Ronnie Golz

Bild:Sobibor, o.D., Das 1965 aufgestellte Denkmal, Stiftung Denkmal
Sobibor, o.D., Das 1965 aufgestellte Denkmal, Stiftung Denkmal
Nach dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 begannen SS-Einsatzgruppen die jüdische Bevölkerung hinter der Front systematisch zu ermorden. Dies war der Auftakt zum Völkermord an den europäischen Juden im deutschen Einflussbereich. Unter dem Decknamen »Aktion Reinhardt« bereiteten deutsche Dienststellen die planmäßige Ermordung der Juden im Generalgouvernement vor, den besetzten, aber nicht in das Deutsche Reich eingegliederten polnischen Gebieten. Die SS ließ nach dem gleichen Muster drei Vernichtungslager in dünn besiedelten Gegenden mit Anschluss an das Eisenbahnnetz errichten: Belzec, Sobibor und Treblinka. Mit der Inbetriebnahme der Vernichtungslager, deren einziger Zweck die Ermordung möglichst vieler Menschen durch Giftgas war, bekam der Völkermord eine neue Dimension.
Sobibor, an der Ostgrenze des Distrikts Lublin des Generalgouvernements gelegen, war nach Belzec das zweite Vernichtungslager der »Aktion Reinhardt«. Am Massenmord in Sobibor waren auch Angehörige der SS beteiligt, die zuvor in Belzec, wo die ersten Gaskammern in Betrieb genommen worden waren, eingesetzt waren. Neben 25 bis 30 SS-Angehörigen stellten 120 »Trawniki«, Wachleute meist ukrainischer Herkunft, das Lagerpersonal.
Anfang Mai 1942 begann in Sobibor der fabrikmäßige Mord an den Juden aus dem Distrikt Lublin. Mit Täuschung und brutalem Terror trieb das Lagerpersonal den Mordprozess voran. Kranke und Gebrechliche wurden sofort nach der Ankunft erschossen. Alle anderen mussten ihre Wertgegenstände abgeben und sich entkleiden. Die Opfer wurden unter Gebrüll und Schlägen der Bewacher durch einen engen Weg, den »Schlauch«, zu den Gaskammern getrieben, wo sie dann mit Motorabgasen erstickt wurden.
Bild:Sobibor, o.D., Bahnhofsgelände des ehemaligen Vernichtungslagers, Ronnie Golz
Sobibor, o.D., Bahnhofsgelände des ehemaligen Vernichtungslagers, Ronnie Golz

Bild:Sobibor, o.D., Das 1965 aufgestellte Denkmal, Stiftung Denkmal
Sobibor, o.D., Das 1965 aufgestellte Denkmal, Stiftung Denkmal
Bis zu 250.000 Juden ermordeten Angehörige der SS in Sobibor, die genaue Zahl ist unbekannt. Die Opfer stammten größtenteils aus dem Generalgouvernement, aber auch aus Österreich, Böhmen und Mähren, der Slowakei, der Sowjetunion, Frankreich und den Niederlanden.
Aus einigen Transporten selektierte die SS Männer zur Arbeit in den »Sonderkommandos«. Sie mussten die Wertgegenstände der Ermordeten sortieren, die Leichen auf verborgene Gegenstände absuchen, Goldzähne ausbrechen, die Gaskammern reinigen und die Leichen verbrennen.
Im Frühjahr 1943 kamen immer weniger Transporte nach Sobibor, was die Häftlinge als Zeichen für die bevorstehende Auflösung des Lagers deuteten. Sie befürchteten, dass sie als Zeugen der Verbrechen ebenfalls ermordet werden würden. Als im Juni 1943 nach Auflösung des Vernichtungslagers Belzec die letzten 600 Häftlinge von dort in Sobibor ermordet wurden, fanden die Mitglieder des Sonderkommandos Botschaften in der Kleidung der Ermordeten, die ihre Befürchtungen bestätigten. Daraufhin begannen sie einen Aufstand zu planen. Sie wurden dabei von sowjetischen Kriegsgefangenen unterstützt, die seit September 1942 in den umliegenden Wäldern als Zwangsarbeiter beschäftigt waren. Der Aufstand brach am 14. Oktober 1943 aus. Die Aufständischen töteten mehrere SS-Angehörige und »Trawniki«. Etwa 300 Häftlingen gelang die Flucht, von ihnen erlebten später 47 das Ende des Krieges.
Der Aufstand beschleunigte die Auflösung des Lagers. Die SS ermordete die zurückgebliebenen Gefangenen. Sämtliche Gebäude wurden abgerissen, auf dem Gelände wurde zur Tarnung der Verbrechen ein Bauernhof errichtet.
Bild:o.O., o.D., Aleksandr Petscherski (1909-1990), Führer des Lageraufstands, Yad Vashem
o.O., o.D., Aleksandr Petscherski (1909-1990), Führer des Lageraufstands, Yad Vashem

Bild:Sobibor, o.D., Mausoleum, Ronnie Golz
Sobibor, o.D., Mausoleum, Ronnie Golz
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Geschichte des Vernichtungslagers Sobibor lange so gut wie unbekannt. Auf dem ehemaligen Lagergelände, das sich nun in einem entlegenen Gebiet Ostpolens unmittelbar an der sowjetischen Grenze befand, gab es lange keinerlei Hinweis auf den Massenmord. Gelegentlich durchsuchten Plünderer das Feld auf der Suche nach Wertgegenständen.
Erst 1965 errichtete die Volksrepublik Polen ein erstes Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers. Wie bei vielen anderen Denkmälern, die in dieser Zeit an zentralen Orten des Holocaust in Polen entstanden, fehlte auch hier der Hinweis, dass es sich bei den Opfern um Juden handelte.
1993, am 50. Jahrestag des Lageraufstands, eröffnete ein kleines Museum auf dem ehemaligen Lagergelände. Es war lange eine Zweigstelle des Heimatmuseums des nahe gelegenen Städtchens Włodawa, inzwischen ist es dem Staatlichen Museum Majdanek zugeordnet. Die Arbeit der Gedenkstätte wird von polnischen Historikern und privaten Initiativen unterstützt.
Seit 2003 arbeiten Freiwillige an der »Gedenkallee«, einem Gemeinschaftsprojekt des Bildungswerks Stanislaw Hantz e. V. in Kassel, der Gedenkstätte Sobibor und der vom Überlebenden des Lageraufstands Jules Schelvis gegründeten Stiftung Sobibór (niederländisch: Stichting Sobibór) aus Amsterdam. Die Allee ist dem Weg nachempfunden, den die Opfer von der Rampe am Bahnhof bis zu den Gaskammern passieren mussten. Neu gepflanzte Bäume und Gedenksteine mit den Namen einzelner Opfer säumen den Weg.
Zum 70. Jahrestag des Häftlingsaufstandes soll im Jahr 2013 eine neue Gedenkstätte entstehen. Diese wurde vom polnischen »Rat zum Schutz des Gedenkens an Kampf und Martyrium«, dem israelischen Außenministerium sowie dem Diasporaministerium initiiert. Vertreter der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem sind an den Planungen als Experten beteiligt. Die Slowakei und die Niederlande unterstützen das Projekt.
Bild:Sobibor, 2009, Gedenkwand auf dem ehemaligen Lagergelände, Thorbjörn Hoverberg
Sobibor, 2009, Gedenkwand auf dem ehemaligen Lagergelände, Thorbjörn Hoverberg

Bild:Sobibor, 2009, Gedenkallee, Thorbjörn Hoverberg
Sobibor, 2009, Gedenkallee, Thorbjörn Hoverberg
Bild:Sobibor, 2009, Tafel an der Gedenkwand, Thorbjörn Hoverberg
Sobibor, 2009, Tafel an der Gedenkwand, Thorbjörn Hoverberg
Bild:Sobibor, 2009, Prellbock, Thorbjörn Hoverberg
Sobibor, 2009, Prellbock, Thorbjörn Hoverberg
Bild:Sobibor, o.D., Detailansicht der Skulptur »Gefangene mit Kind«, Ronnie Golz
Sobibor, o.D., Detailansicht der Skulptur »Gefangene mit Kind«, Ronnie Golz
Bild:Sobibor, 2009, Stein an Gedenkallee, Thorbjörn Hoverberg
Sobibor, 2009, Stein an Gedenkallee, Thorbjörn Hoverberg
Bild: Sobibor, 2009, Ausstellung im Museum, Thorbjörn Hoverberg
Sobibor, 2009, Ausstellung im Museum, Thorbjörn Hoverberg
Name
Muzeum Byłego Obozu Zagłady w Sobiborze
Adresse
Stacja Kolejowa 1
22-200 Sobibór
Telefon
+48 (0)82 571 98 67
Web
http://www.sobibor-memorial.eu
E-Mail
muzeumsobibor@wp.pl
Öffnungszeiten
Mai bis 14. Oktober täglich 9.00 bis 14.00,
Außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung mit dem Heimatmuseum in Włodawa
Angebot
Museum mit Informations- und Dokumentationszentrum, Führungen, Filme, Diskussionsveranstaltungen, pädagogisches Programm